Kaltes Land

um 22:51 da reingeschubst: Film || Fremdplörre: Comments (0)

© Warner Bros.Info: Dies ist ein Review, das ich in altmodischer Handarbeit aus meinem alten Blog übernommen habe, weil der Import nicht uns Verrecken funzen wollte. Das oben genannte Datum entspricht dem ursprünglichen Postingdatum. “Himbeerlola.de” existiert erst seit dem 01.03.2008.

Inhalt: Josey Aimes (Charlize Theron) flieht Ende der 80er Jahre mit ihren zwei Kindern vor ihrem gewalttätigen Ehemann in ihre Heimat Nord-Minnesota und zu ihren Eltern zurück. Ihre Freundin Glory (Frances McDormand) arbeitet als eine von wenigen Frauen im gut bezahlten Bergbau und verhilft Josey zu einer Stelle in der Grube, die sich seit Generationen fest in Männerhand befindet. Josey stellt sich auf die oft gefährliche Knochenarbeit ein, aber wirklich unerträglich sind nur die Belästigungen, denen die Frauen durch ihre männlichen Kollegen ausgesetzt sind. Neben offenen Anfeindungen müssen die weiblichen Grubenarbeiter zahlreiche “Späße” unterhalb der Gürtellinie ertragen und stehen Grabschern hilflos gegenüber. Doch Josey will kein Opfer sein. Sie nimmt den Kampf auf und schreibt damit Geschichte.

Lola meint: Regisseurin Niki Caro, der sich durch „Whale Rider“ die Türen der US-Filmindustrie öffneten, zerrt mit “Kaltes Land” ein widerborstiges Stück Film auf die Leinwand, das sich mit dem Thema der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz beschäftigt. Und wieder mal wird für eine unbequeme Story das leidige ‘beruht auf einer wahren Geschichte’ bemüht. Anders scheint es in Hollywald jenseits des Hirn-aus-und-durch-Popcornkinos wohl nicht zu gehen.

Passend zum Titel und Grundtenor des Films wird hier in unterkühlten Bildern das Schicksal von Josey Aimes erzählt, die sich erst am Arbeitsplatz von den männlichen Kollegen terrorisieren lassen muss und dann auch noch jahrelang vor Gericht in einem absolut lächerlichen Prozess (noch lächerlicher: der Prozess gilt bis heute als aufsehenerregender Präzidenzfall) fertig gemacht wird. Es verwundert doch sehr, dass das reale Verfahren erst Ende der 90er Jahre zum Abschluss kam, denn während des Films wähnt man sich durch die Geschehnisse irgendwann Anno 1704undeinpaarzerbombte und bestimmt nicht Mitten in den doch schon recht aufgeklärten 80ern. Die Regeln unserer modernen Gesellschaft scheinen noch nicht bis in jeden Winkel der USA vorgedrungen zu sein – jedenfalls nicht bis in diesen Landstrich in Minnesota. Da kriegt man ja wieder mal richtig Bock ins gelobte Land zu reisen und sich von dem Elend dort mit eigenen Augen zu überzeugen.

In der Rolle der geplagten Josey ist eine trotzig-stoische Charlize Theron zu sehen, die sich seit “Monster” in White Trash Gefilden so richtig zu Hause zu fühlen scheint, was natürlich in krassem Widerspruch zu ihrer modelmäßigen Erscheinung steht. Einmal mehr verweigert sie der Kamera und dem Zuschauer ihr beachtliches Äußeres und schleicht ungeschminkt in vollendetem C&A-Chic und mit grottigem Haarschnitt durch die Story. Unsere Unterschichten-Barbie muss sich im Verlauf des Dramoletts ein bisschen zuviel vom Schicksal verscheissern lassen: Als Teenie vom schmierigen Lehrer vergewaltigt inklusive einer daraus resultierenden Schwangerschaft, vom verbohrten Vater wegen der ‘Schande’ des unehelichen Kindes abgelehnt, von der resignierten Mutter größtenteils im Stich gelassen, eine miese Ehe mit einem Schläger bis hin zu den unwürdigen Zuständen am Arbeitsplatz. Alles zusammen wirkt reichlich dick aufgetragen und ich möchte einfach mal bezweifeln, dass das alles auch auf dem Konto des realen Vorbilds zu finden ist.

Während die Drehbuchschreiber über dem harten Schicksal von Josey brüteten, haben sie offensichtlich vergessen die beteiligten Figuren und die restliche Handlung mit genügend Sorgfalt zu bedenken. Frau Theron strampelt sich als verschüchtertes Opfer ab, dem man die Anflüge von Emanzipation und Selbstbestimmung nicht so recht abnehmen mag, weil sie sich in regelmäßigen Abständen mit dem Arsch das wieder einreißt, was sie vorne mühevoll aufgebaut hat. Die restlichen Figuren wirken wie aus dem 08/15-Filmbaukasten und verwirren den Zuschauer mit unglaubwürdigen Motivationen oder unnachvollziehbar plötzlichen Charakterwandlungen. Vor allem die Männer kommen denkbar schlecht weg: Entweder haben wir es mit skrupellosen Neandertalern oder mit Lenorgespülten Frauenverstehern zu schaffen. Auhauaha.

Ein wahrer Lichtblick in diesem schwarz-weißen Sumpf sind da die herben Auftritte von Frances McDormand und der Urmutter Beimer aller Arbeiter- und Frauenfilme Sissy Spacek. Beide schaffen es aus ihren recht begrenzten Rollen das Maximum heraus zu holen und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ich würde sogar mal frech behaupten, dass die beiden Ladies “Kaltes Land” den Arsch vor der totalen Mittelmäßigkeit gerettet haben.

Als Zuschauer bleibt man mit einem zwiespältigen und unbefriedigten Gefühl zurück. Das Thema ist wichtig, die Vorkommnisse sind empörend und man möchte sich emotional engagieren, aber man kann es kaum. Vielmehr ist man staunender und seltsam unbeteiligter Beobachter von blutleeren Charakteren und ihrem meist haarsträubenden Verhalten. “Kaltes Land” kann man mit ruhigem Gewissen unter ’sowas von verschenke Gelegenheit’ abheften. Schade drum.

Offizielle Webseite zum Film

 

Dr. House rockt

um 10:09 da reingeschubst: Fernsehen, TV-Serien || Fremdplörre: Comments (0)

© Fox TVInfo: Dies ist ein Review, das ich in altmodischer Handarbeit aus meinem alten Blog übernommen habe, weil der Import nicht uns Verrecken funzen wollte. Das oben genannte Datum entspricht dem ursprünglichen Postingdatum. “Himbeerlola.de” existiert erst seit dem 01.03.2008.

Mit Krankenhaus- bzw. Arzt-Serien ist das ja immer so eine Sache. Und zwar eine Unschöne. Trotzdem gibt es seit geraumer Zeit die Rettung für alle Halbgott-in-Weiß-Hasser in Gestalt des fiesesten Arztes, der je über den Bildschirm gehumpelt ist: Dr. Gregory House (im Moment jeden Dienstag um 21:15 auf RTL).

Dieser Dr. House - gespielt von einem geradezu göttlichen Hugh Laurie - ist anders. Komplett anders. Er weigert sich Kittel zu tragen und seine Hemden wirken so ungebügelt wie seine zerknüllte Visage, er drückt sich um den Praxisdienst, er hasst seine Patienten (die nach seiner Meinung ohnehin alle lügen wie gedruckt) mindestens so wie sich selbst, er ist in seinem Fach trotzdem brillant und dadurch unantastbar, er quält sein Team mit Sarkasmus und Verachtung, er ist Vicodinsüchtig (Schmerzmittel der Sorte Holzhammer), er versucht seine taffe Vorgesetzte und den Rest seiner Mitmenschen in den Wahnsinn zu treiben, er ist selbstgefällig bis zum Erbrechen, hinterhältig, zynisch, fies, gemein, sogar beinahe sadistisch und immer ehrlich bis zur Kotzgrenze. Und in all seiner umwerfenden diabolischen Pracht so richtig zum liebhaben, denn er ist die personifierzierte Rache an allen widerlich dauerverständnisvollen und achsosympathischen Weißkittelträgern nebst Zahnarztfrauen der Fernsehgeschichte.

Möchte man diesem Quacksalber aus der Hölle begegnen, wenn man sich mit irgendeinem Zipperlein zum Hausarzt schleppt? Bestimmt nicht. Vielleicht macht gerade das den Reiz der Serie aus, denn wenn man sich am Elend der Anderen weiden kann, hat das so seine Momente. An dieser Stelle schicke ich meinen untertänigsten Dank an das kranke Hirn, das sich diese Figur ausgedacht hat.

Wer’s noch nicht kennt: Angucken! Wer’s kennt: Weitergucken! Denn wir wollen doch nicht, dass sich an den pervers hohen Quoten etwas ändert und RTL auf dumme Gedanken kommt.

Wertung: 10/10

 
 

Janz früher mal...

 

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