Die Queen

von Himbeerlola um 16:45 da reingeschubst: Film

© Miramax / PathéInfo: Dies ist ein Review, das ich in altmodischer Handarbeit aus meinem alten Blog übernommen habe, weil der Import nicht uns Verrecken funzen wollte. Das oben genannte Datum entspricht dem ursprünglichen Postingdatum. “Himbeerlola.de” existiert erst seit dem 01.03.2008.

Inhalt: September 1997: Die Nachricht von Prinzessin Dianas Tod bricht wie eine Schockwelle über die Öffentlichkeit Englands herein. Währenddessen sitzt Queen Elizabeth II (Helen Mirren) samt Familie in ihrem Feriensitz Balmoral, unfähig, auf die öffentliche Trauer angemessen zu reagieren. Für den neu gewählten Premierminister und Volksliebling Tony Blair (Michael Sheen) hat das Bedürfnis der Bevölkerung nach Unterstützung und Trost durch seine politischen Führungsfiguren zentrale Bedeutung. Innerhalb von Tagen schlagen die unerwarteten Wogen der Gefühle immer höher.

Lola meint: Man kann von Queen Elisabeth II, Prinzessin Diana und der Monarchie allgemein halten, was man will. Viele werden bei diesem Film gerade wegen ihrer Abneigung gegen solche augenscheinlich überholten Institutionen sofort abwinken, was allerdings ein ziemlicher Fehler wäre. Denn jenseits der Klatschblätter ist das, was sich damals im Herbst 1997 zugetragen hat, ein Stück Geschichte. Noch nie befand sich die Monarchie in England dermaßen in der Krise und noch nie stand sie so auf der Kippe, wie in diesen Tagen. Man könnte sagen, Elisabeth hat mit knapper Not gerade noch einmal die Kurve gekriegt.

Regisseur Stephen Frears, der während seiner Karriere seine Finger immer am Puls des einfachen Mannes hatte, gewährt uns in “Die Queen” einen höchst interessanten Blick hinter die Palastmauern und versucht dem Normalsterblichen die harten Krusten jahrhundertealter Traditionen verständlich zu machen. Er beschreibt uns die unwirklich anmutende Welt der Königin und ihrer Familie mit leiser Ironie und dem einen oder anderen Augenzwinkern – trotzdem schafft er es in jeder Filmsekunde Respekt zu wahren. Respekt für eine Frau, die nie ein selbstbestimmtes Leben hatte und die sich mit unerbittlicher Härte gegen sich selbst ganz und gar ‘ihrem’ Volk verschrieben hat. Die Pflicht der Krone über alles.

Da dem Ottonormalverbraucher solche Strukturen gänzlich fremd sind, stellt Frears dem Publikum einen jungen und völlig unerfahrenen Tony Blair zur Seite, der gerade eben sein Amt angetreten hat und der Welt der Queen mit fast kindlicher Begeisterung gegenübersteht. Mit ihm zusammen lernen wir diese mysteriöse Frau kennen und versuchen die strengen Protokolle zu begreifen, auf die sich der Hof seit Ewigkeiten stützt. Zwischendurch wird Tonys und unsere Begeisterung immer wieder durch die spitze Zunge seiner Frau Cherie ausgebremst, die dem Palast alles andere als freundlich gegenüber steht und so eine angenehme Balance schafft. Mit dieser Grundlage lässt man sich gern von dem brillanten Drehbuch auf die Reise zu den Ereignissen nach Lady Di’s Tod mitnehmen, die jeden glauben ließen, daß zwar die halbe Welt um die von den Medien hofierte Prinzessin von Wales trauert, aber im oberflächlich gefühlskalten Königshaus keine Träne vergossen wird.

Wie ich schon mehrfach an anderer Stelle erwähnt habe, ist die Leistung der Darsteller hervorragend – allen voran Helen Mirren, die das Publikum nach 2 Minuten glatt vergessen lässt, dass man nicht die echte Lizzie vor Augen hat. Das bezieht sich nicht nur auf ihr Äußeres, denn bei Frau Mirren sitzt jeder Blick und jede Geste absolut perfekt, egal wie winzig und unbedeutend sie erscheinen mögen. Ihr ist es gerade in den stillen Augenblicken, in denen sie die knallharte Schale ihrer Figur ein wenig bröckeln lässt, zu verdanken, daß wir kein unkaputtbares Monstrum sehen, sondern einen Menschen aus Fleisch und Blut. Großartig. Bei den Herren stechen Michael Sheen als Monarchieretter Blair und ein wunderbar bissiger James Cromwell als ewig nörgelnder und bis in die Knochen traditionsbewusster Prinz Philip hervor und auch der restliche Cast macht seine Sache hervorragend. Lediglich Alex Jennings liefert ein äußerst hinterhältiges, permanent rumjammerndes und dadurch für mein Empfinden leicht befremdliches Häufchen Elend von einem Prinz Charles ab.

Der Film besticht nicht nur durch seine Darsteller, sondern verblüfft den Zuschauer zusätzlich durch absolut authentisch anmutende Drehorte und Ausstattungen. Außerdem wird auf raffinierte Weise immer wieder Originalmaterial von damals eingefügt, so daß man oft den Eindruck hat, man würde eine Doku in der ARD und keinen Kinofilm sehen. Auch auf die Gefahr hin, daß ich mich wiederhole: Hingehen, angucken, den Kopf schütteln, staunen, lachen und lernen. So darf Kino ruhig öfter sein. Und gebt Frau Mirren von mir aus 20 Oscars auf Vorrat, denn es wird lange dauern, bis jemand diese Leistung toppt. God save the Queen.

Offizielle Webseite zum Film

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