Nach 7 Tagen - Ausgeflittert

von Himbeerlola um 5:05 da reingeschubst: DVD, Film

© ParamountOriginaltitel: The Heartbreak Kid
Genre: Komödie
Land: USA
Jahr: 2007
Regie: Bobby & Peter Farrelly
Darsteller: Ben Stiller, Malin Akerman, Michelle Monaghan, Jerry Stiller, uvm
DVD: 14.03.2008
Offiz. Webseite:
www.nach7tagenausgeflittert.de

Inhalt: Sportgeschäftbesitzer Eddie Cantrow ist unverheiratet und gerade 40 geworden. Weil ihn sein Vater und sein bester Freund anstacheln meint er, dass eine ernsthafte Romanze überfällig ist. Er braucht nur die geeignete Frau. Als er auf der Strasse einen scheinbaren Überfall vereiteln kann, lernt er Lila kennen und die beiden stürzen sich in eine kurze Wirbelwindromanze, die zu einem überstürzten Heiratsantrag führt. Aber auf dem Weg in die Flitterwochen muss Eddie erkennen, dass seine Angetraute nicht nur das Gesicht eines Engels hat – sie flucht auch wie ein Kutscher und hat einen unstillbaren Hunger nach athletischen Sex-Übungen. Beim Eintreffen im Hotel hat sich Lila schon von einer süssen Lebensgefährtin in ein ungehobeltes, Tequila schluckendes Frauenzimmer mit Vergangenheit verwandelt, und Eddie fragt sich, auf was er sich da eingelassen hat. Da schlägt das Schicksal zu: Weil sich seine Gattin kurz nach der Ankunft den totalen Sonnenbrand geholt hat und das Zimmer nicht verlassen will, tröstet sich Eddie an der Bar. Dort kommt er mit Miranda ins Gespräch, die so natürlich und bodenständig ist wie Lila flatterhaft. Schon bald sucht der unglückliche Ehemann nach jeder Möglichkeit, um seine Braut zurückzulassen und Zeit mit Miranda zu verbringen. Aber es kommt, wie es kommen muss: Eine Serie von Missverständnissen führt zur unvermeidlichen Konfrontation zwischen einem Mann, zwei Frauen und den Tentakeln einer portugiesischen Galeere.

Lola meint: Den schrägen, meist grenzwertigen Humor der Farrelly-Brüder muss man schon mögen, wenn man sich in einen ihrer Filme stürzt. Ich mag ihn nicht und kann dem Oevre von Bobby und Peter, von “Verrückt nach Mary” und vielleicht noch “Kingpin” mal abgesehen, nicht allzu viel abgewinnen. Wer bis hier aufgepasst hat, dem schwant bereits, wieso ich mich zu “Nach 7 Tagen – Ausgeflittert” habe überreden lassen, denn dieser Streifen ist in gewissem Sinne die offizielle Mary-Reunion-Tournee von Ben Stiller und den Farrellys. Da ich aber von Natur aus misstrauisch bin und seit Mary schon viel Wasser Farrelly-Müll die Spree runtergeflossen ist, habe ich mir den Kinobesuch damals gespart und lieber auf die DVD gewartet, die mir meine Lieblingsleihe netterweise für die Hälfte des Kinogeldes bis in den Briefkasten geliefert hat. Wie sich herausgestellt hat, war das eine kluge Entscheidung von meinereiner.

Die Farrellys zäumen das Pferd im vorliegenden Fall von hinten auf und werfen ihren Fans ausnahmsweise mal keine “Freaks” (Mann, wie ich das Wort hasse!) zum Frass vor. Das tun sie ja zu gerne und vor allem seit ein paar Jahren immer extremer, zücken dabei aber jedesmal das fadenscheinige ‘ach eigentlich haben wir die ganzen herzigen Behinderten, Dicken und sonstigen Vollidioten total lieb’-Deckmäntelchen und lassen sich als Meister des politisch unkorrekten Humors feiern. Mir bleibt nur leider bei diesem durchsichtigen Bullshit das Lachen im Halse stecken. Da hilft auch kein verlogener intellektueller Alibi-Subtext, denn der macht es eigentlich nur noch billiger und mieser. Aber ich schweife ab.

Wie schon erwähnt, drehen die Farrellys den Spiess diesmal um und setzen auf eine völlig ‘normale’ Hauptfigur: Den durchschnittlichen Eddie, der von Familie und Freunden genervt wird, weil er schon über 40 und dabei skandalöserweise noch unverheiratet ist. Als ihn der permanente Druck, ein Missverständnis und die eigene aufkeimende Torschlusspanik zu einer überstürzten Heirat mit einer hübschen Zufallsbekanntschaft treiben, geht der Ärger in den Flitterwochen richtig los. Seine frisch Angetraute entpuppt sich nämlich als Albtraumfrau. Oder zumindest als das, was der erzkonservative Teil der US-Bevölkerung unter einer Albtraumfrau versteht.

Der besagten Lila kann man nämlich bei genauerer Betrachtung eigentlich keinen Vorwurf machen, entstehen doch die ersten Probleme mit ihr nur dadurch, dass sich das Pärchen in den 6 Wochen zwischen dem Treffen und der Hochzeit nicht wirklich kennen gelernt hat. Und sind wir mal ehrlich: Wer ‘kennt’ denn bitte seinen neuen Partner nach dieser kurzen Zeit, in der man mit total verknallt sein und ’sich von seiner besten Seite zeigen’ völlig ausgelastet ist? Ein paar von Lilas nach und nach auftretenden Spleens werden natürlich extrem überzogen und sogar streckenweise lustig dargestellt, aber unterm Strich scheint es in den USA auch im neuen Jahrtausend noch furchtbar verwerflich zu sein, wenn eine Frau ihre Ansprüche im Bett deutlich artikuliert. Diese Eigenschaft wird immer und immer wieder besonders hervorgekehrt und als etwas Peinliches veralbert, während Eddies Wunsch nach der Missionarsstellung und seine ach so liebreizende, normale, anschmiegsame, porentief reine und übelst langweilige Strandbekanntschaft - und natürlich genau deswegen spätere grosse Liebe - als das Tollste der Welt durchgehen. Ödet euch doch bitte gegenseitig zu Tode, denn ihr beiden habt euch echt verdient.

Der Knackpunkt des Streifens ist, dass Eddie mit zunehmender Laufzeit vom netten Typen zum grössten Arschloch unter dieser Sonne mutiert und sich sein Nervfaktor bis ins Unendliche steigert, während das vordergründig gehypte Hassobjekt Lila zum bemitleidenswerten Opfer verkommt. Denn während die ersten Probleme der beiden durch das gegenseitige nicht kennen aufkommen, entwickeln sich alle weiteren nur dadurch, dass sich Eddie als verachtenswert feiger Drecksack entpuppt, der die Zähne nicht auseinander bekommt, um endlich mal die Wahrheit zu sagen und vor allem mit Lila ein offenes Gespräch zu führen. Was daran lustig sein soll, entzieht sich meinem Verständnis.

Nein – ich bin keine Abonnentin der Emma und habe garantiert keinen Alice-Schrein im Wohnzimmer, aber dieser verlogene Scheiss hat mich auf die Palme gebracht. Ob ich das jetzt zu verbissen sehe und es ist doch nur ne Komödie hin oder her. Mir doch egal. Jedenfalls entpuppt sich die durchaus mit Potential behaftete Grundidee als a) Bumerang, der allen Beteiligten um die Ohren fliegt und b) nicht für einen ganzen Film ausreichend, was mit überflüssigen Nebenbeigags der alleruntersten Aldi-Kategorie vertuscht werden soll. Von dem liebenswert anarchistischen Charme, den Mary noch in jeder Filmsekunde geatmet hat, ist hier absolut nichts mehr zu merken. Tragisch. Vielleicht hätte aus “Nach 7 Tagen – Ausgeflittert” mit einem besseren Drehbuch und einem anderen Regisseur ein wirklich lustiger Film werden können. Hätte, wäre, könnte, wenn und überhaupt. Die Farrellys haben den Karren jedenfalls wie üblich tief im Morast versenkt und könnten sich von mir aus langsam mal über einen Berufswechsel Gedanken machen.

★★☆☆☆☆☆☆☆☆ 2/10

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