Lars und die Frauen

von Himbeerlola um 3:12 da reingeschubst: Film

© Central FilmOriginaltitel: Lars and the Real Girl
Genre: Dramödie
Land: USA
Jahr: 2007
Regie: Craig Gillespie
Darsteller: Ryan Gosling, Emily Mortimer, Paul Schneider, Patricia Clarkson, Kelli Garner, Nancy Beatty, uvm
Läuft ab: 13.03.2008
Offiz. Webseite:
www.lars.centralfilm.de

Inhalt: Lars Lindströms Leben könnte beschaulicher nicht sein: Aufstehen, zur Arbeit gehen, abends fernsehen und sonntags in die Kirche. Lars ist damit zufrieden, denn er mag sein zurückgezogenes, isoliertes Dasein, aber seine Schwägerin will ihn unbedingt ins Familienleben mit einbeziehen, eine Arbeitskollegin möchte mehr von ihm und alle anderen Bekannten wollen ihn ohnehin dauernd verkuppeln. Da muss ganz schnell eine Frau her, damit die ständigen Attacken auf Lars’ Privatsphäre endlich ein Ende haben. Überraschend stellt Lars allen seine neue Freundin Bianca vor und beharrt nachdrücklich darauf, dass sie eine brasilianische Missionarin und Krankenschwester ist, die er im Internet kennen gelernt hat. Für seinen Bruder Gus, seine Schwägerin Karin und alle anderen Dorfbewohner ist Bianca aber eindeutig eine lebensgrosse, sehr realistische Sexpuppe aus Silikon - eine so genannte Real Doll. Irritiert holen sie sich Rat bei Dr. Dagmar, die eine überraschende Diagnose stellt: Lars kann nur geholfen werden, wenn die ganze Gemeinde Bianca behandelt, als sei sie tatsächlich lebendig.

Lola meint: Regiefrischling Craig Gillespie präsentiert uns mit Lars und die Frauen eine skurrile, warmherzige Dramödie, von der man eigentlich nicht so recht glauben will, dass sie in den USA entstanden ist. Stilistisch wirkt der Film, als käme er aus Schweden oder Norwegen, was zusätzlich durch die meist nordisch klingenden Namen der schrägen Figuren unterstrichen wird. Dazu gesellen sich ruhige Aufnahmen von tief verschneiten Landschaften und eine langsame, ernste Inszenierung, die den Zuschauer behutsam an die komplett gegen den Mainstream gebürstete Geschichte heran führt.

Während man den psychisch angeschlagenen Lars und seine neue und höchstwahrscheinlich auch erste Freundin Bianca, die Real Doll, begleitet, wird einem dieselbe Rolle wie den anderen Dorfbewohnern zugewiesen: Man muss Lars’ Marotte auf ärztliche Anweisung einfach so hinnehmen und darf nicht weiter nachfragen, denn eine schlüssige Erklärung für sein Verhalten bekommt man nicht geliefert. Ab und zu werden Andeutungen gemacht, dass es sich um ein frühes Trauma durch den Tod der Mutter bei seiner Geburt und die darauf folgende Kindheit beim depressiven Vater handelt, aber mehr auch nicht. Es gilt sich mit einem sympathischen jungen Mann zu arrangieren, der zutiefst verstört und nicht in der Lage ist, zu anderen Menschen eine soziale Bindung aufzubauen.

Der schmale Grat zwischen Komödie und Drama wird von Nancy Olivers Drehbuch, die auch schon für die geniale Serie Six Feet Under geschrieben hat, gut gehalten, denn meistens weiss man nicht so recht, ob man nun weinen oder lachen soll. Bemerkenswert ist, dass die Scherze nie ins Niveaulose abdriften, obwohl sich die Grundkonstellation der Story dafür sicherlich anbietet. Der Respekt für Lars und sein Umfeld bleibt gewahrt, was auch den durchweg überdurchschnittlich guten Darstellerleistungen anzurechnen ist. Ryan Gosling, der bei mir für “Wie ein einziger Tag” und “Das perfekte Verbrechen” ohnehin einen dicken Stein im Brett hat, beweist einmal mehr sein immenses Talent. Er trägt diesen Film alleine auf den Schultern und tut das mit einer scheinbaren Mühelosigkeit, die einem nur Respekt abverlangen kann. Neben ihm kann vor allem Patricia Clarkson, mit der noch jemand aus der Six Feet Under Crew an Bord wäre, als einfühlsame Ärztin glänzen und einige grosse Momente auf ihrem Konto verbuchen.

Es gibt nur wenige Punkte, die man Gillespies Erstlingswerk vorwerfen kann. Das Ganze hätte vor allem im Mittelteil eine Straffung vertragen, da sich Lars’ Entwicklung manchmal etwas zu sehr zieht und die Story dadurch erst zu spät aus dem Knick kommt. Eine Viertelstunde weniger wäre hier mehr gewesen. Auch habe ich ab und zu im Hinblick auf die Komödienkomponente eine gewisse Leichtigkeit vermisst, die vor allem den bedrückenden, farblosen Bildern gut getan hätte, weil das Innenleben unseres Helden schon traurig genug ist. Vielleicht bin ich genau deswegen mit dem Film nicht 100% warm geworden. In einigen Momenten wirkt die Geschichte ausserdem durchaus realitätsfremd, da es sogar in einer überschaubaren dörflichen Gemeinschaft recht unwahrscheinlich ist, dass alle Mitmenschen die Puppe so widerstandslos als echte Person behandeln. Aber vielleicht will dieser Film gar nicht realistisch, sondern eher ein Märchen sein - ein trauriges Märchen von Einsamkeit und Seelenschmerz, an dessen Ende ein bisschen Hoffnung steht. Hoffnung auf gegenseitiges Verstehen.

★★★★★★★½☆☆ (7,5/10)

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