Das jüngste Gericht

von Himbeerlola um 4:02 da reingeschubst: Fernsehen

© RTLGenre: Thriller, Mystery
Land: A
Jahr: 2008
Regie: Urs Egger
Darsteller: Tobias Moretti, Silke Bodenbender, Christoph Waltz, Christian Redl, uvm
Ausgestrahlt auf
RTL: 13. & 14.04.2008
IMDb Link

Inhalt: Unter der Leitung von Kriminalkommissars Thomas Dorn wird die Wiener Polizei mit einer Verbrechenskette konfrontiert, die es in dieser Form noch nie gegeben hat. Nach dem Tod einer Prostituierten und eines Kleinkriminellen deutet alles auf rituelle Morde im muslimischen Milieu hin. Eine Razzia in einem türkischen Kaffeehaus wird ein Reinfall. Schon wird das nächste Opfer aufgefunden – kopfüber gekreuzigt. Die Morde sind an Brutalität kaum zu überbieten und die Art, wie die Leichen vorgefunden werden, lässt bald vermuten, dass ein Serienmörder sein Unwesen treibt.

Lola meint: Fremdschämtime statt Primetime auf RTL. Mehr bräuchte ich zu dem mit großem Brimborium angeteaserten Zweiteiler Das jüngste Gericht eigentlich nicht zu sagen, denn jedes weitere Wort ist für diesen Quark schon zuviel der Ehre. Ich hab aber Frust wegen der unverschämten Verschwendung meiner Zeit und der muss irgendwo hin. Blogging als Aggressionsbewältigungstherapie – das hat was.

Der Super-GAU des deutschen Fernsehfilms geht auf das Konto von zwei Personen, die alles und jeden gnadenlos mit in den Abgrund gerissen haben: Drehbuchautor Don Bohlinger und Hauptdarsteller Tobias Moretti. Ersterer hat sich mehr als offensichtlich bei jedem einschlägigen Genrefilm der letzten 30 Jahre bedient. Frei nach dem Motto ‘gut geklaut ist halb geschrieben’. Hat nur leider nicht geklappt, denn Bohlinger scheint das Konzept mit der Hommage an die Klassiker und jüngeren Erfolge der Filmgeschichte nicht kapiert zu haben. Stupides Kopieren ist eben nicht gleich qualifiziertes Zitieren. Das gilt umso mehr in einem Fall, wo außer den billigen Kopien absolut nichts an eigener Kreativität erkennbar ist. Das Drehbuch bestand nur aus lustlos aneinander gereihten Versatzstücken, die von grauenhaft schlampig geschriebenen Charakteren, noch schlimmeren Dialogen, Logiklücken en masse und ärgerlichen Klischees zusammengehalten wurden.

Schon die Eröffnungssequenz des ersten Teils begann mit einem steinalten Filmwitz, der auch noch komplett unlustig und obendrein unglaubwürdig umgesetzt wurde. Mit diesem ersten Griff ins Klo sollte Morettis widerspenstige Figur - Kommissar Thomas Dorn - als coole Sau vom Dienst eingeführt werden, was natürlich gründlich daneben ging, denn Dorn erwies sich in den folgenden drei Stunden als ein noch viel größeres Arschloch, als nach diesen ersten Minuten zu vermuten war. Zum einen wurden in seinen Charakter alle Klischees gepumpt, die es so zum Thema ‘ausgebrannter, depressiver Cop’ gibt, und zum anderen hatte Tobias Moretti vor Drehbeginn wohl noch extra einen VHS-Kurs für Overacting belegt, denn anders lässt sich seine unterirdische Leistung nicht erklären. Mal ganz abgesehen davon, dass man sich in jeder Sekunde gefragt hat, wieso ein lupenreiner Psychopath wie Thomas Dorn noch nicht aus dem Polizeidienst Richtung Geschlossene entfernt wurde, agierte Moretti auf einem Niveau, das nicht mehr zu unterbieten ist. Heillos übertriebene und völlig unmotivierte Wutausbrüche reihten sich an ebenso grundlos aggressive und entsprechend herausgekotzte Sätze, nebst wildem Grimassieren und aufgesetztem Machismo. Diese Kombination mag bei einer handvoll A-Riegen-Schauspieler vielleicht funktionieren - Moretti hat sie nur unsympathisch bis zum Abwinken dastehen lassen. Und mit so einer Figur soll man 3 Stunden durchstehen. Das grenzt an Körperverletzung (die Dorn übrigens pausenlos an Verdächtigen verübte).

Von der restlichen Darstellerfront gibts sonst auch nichts Aufregendes zu vermelden: Christoph Waltz hat sich zumindest bemüht, hatte aber zu wenig zu tun, Christian Redl hatte irgendwie keinen Bock und Silke Bodenbender blieb schlicht farblos und uninteressant. Zumindest durfte sie als Hobby-Profilerin ein paar so überflüssige Sätze wie ‘Er folgt einem Ritual’ ablassen und zuerst Waltz und dann Moretti flachlegen, obwohl dieser sie vorher ständig wie Dreck behandelt hat. Notstand führt zu merkwürdigen Entscheidungen.

Ebenfalls als ärgerlich zu bezeichnen waren die erbärmlichen Versuche aktuelles Tagesgeschehen in die abstruse Story zu integrieren. Bevor die Ermittler nämlich darauf kamen, dass der Killer ein durchgeknallter Katholik ist, musste erstmal die islamische Gemeinde Wiens per Prügelrazzia dran glauben, was dem Quotentürken im Team natürlich gegen den Strich ging. Irgendwie muss man einen Zweiteiler ja über die Laufzeit kriegen, und wenns mit durchschaubar aufgesetzter Sozialkritik ist. Was mich persönlich noch viel mehr auf die Palme gebracht hat, war die Darstellung der Gothics: Wie oft muss eigentlich noch betont werden, dass Gothics keine Satanisten sind, nachts nicht auf Friedhöfen randalieren, dort schon gar keinen Tieren die Kehlen durchschneiden oder satanische Gruppenficks abhalten und auch sonst kein gewalttätiger Haufen Irrer sind? Verdammt nochmal! Ich habe nur noch darauf gewartet, dass der eigentliche Killer ein Rammstein- oder Marilyn Manson Poster überm Bett hat, denn das wäre das übliche RTL-Niveau gewesen. (Die übermenschlichen Fähigkeiten des Killers - wie z.B. unverletzt vom Dach eines mehrstöckigen Hauses zu springen - erwähne ich schon gar nicht mehr. Hat eh alles keinen Sinn.)

Super Stichwort. Ähem - ich meinte jetzt den Ausflug zur Musik, denn auch der Score war neben in Noten verpackte Einfallslosigkeit vor allem eines: Unglaublich aufdringlich, nervig und zu keiner Zeit passend. Das Bläsergebrumme und Gefiedel konnte ebenso wenig wie das zwar aufgeregte, aber sinnlose Rumgerenne der Protagonisten auch nur ansatzweise Spannung erzeugen. Wo keine Spannung ist, könnte vielleicht noch ein bisschen Blut und Gekröse was herausreißen, aber der Gore war natürlich wegen der Sendezeit auf FSK 12 getrimmt. Also totale Nullnummer und nicht vorhanden.

Da ich im Grunde ein verträglicher Mensch bin, überlege ich schon seit dem weggeschnittenen Abspann, ob ich nicht vielleicht doch irgendetwas Nettes über Das letzte Gebot Das jüngste Gericht sagen kann. Leider fällt mir nichts ein. Nur das noch: Du sollst nicht stehlen @ Herrn Bohlinger.

★☆☆☆☆☆☆☆☆☆ 1/10

Update: Da mir seit Stunden auf immer der selben Suchanfrage die Bude eingerannt wird, hier die Antwort: Der Mörder war Autor Conrad (dem Dorns Sohn im ersten Teil sein Manuskript zur Beurteilung überlassen hat). Und warum hat er alle umgebracht? Weil er geisteskrank war. Gähn. Und noch aus einem weiteren völlig beknackten Grund, der aber so abstrus und für Menschen, die rechnen können, so unlogisch war, dass ich mich weigere ihn hier nochmal hochzuwürgen.

Eine Fremdplörre

  1. krissi:

    Selten habe ich eine so undifferenzierte und übertrieben negative Filbkritik gelesen wie diese. Ich fand den Film, von kleineren Ausnahmen abgesehen, guz und die leistung von Tobias Moretti grandios gut!!!

Sag was oder hau ab

 
 

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