Outsourced - Auf Umwegen zum Glück

von Himbeerlola um 19:33 da reingeschubst: Film

Originaltitel: Outsourced
Genre: Komödie, Drama
Land: USA, Indien
Jahr: 2006
Regie: John Jeffcoat
Darsteller: Josh Hamilton, Matt Smith, Ayesha Dharker, Larry Pine, Asif Basra, Sudha Shivpuri, Shriti Tyagi, uvm
Läuft seit: 10.04.2008
Offiz. Webseite: www.outsourced-der-film.de

Inhalt: Üppige Farben, verführerische Düfte, geheimnisvolle Traditionen – willkommen in Indien!?? Für die Schönheit des Landes hat Todd Anderson aus Seattle keinen Blick, denn der Call-Center-Manager wurde knallhart ausgelagert - oder auch Neudeutsch “outgesourced”: Der verstörte Todd wird nach Indien geschickt, wo er so freundliche wie chaotische Einheimische an amerikanisches Call-Center-Niveau anpassen soll, um die Umsätze des Unternehmens zu steigern. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, soll er dort auch noch seinen eigenen Nachfolger einarbeiten! Die Hitze, die neuen Gepflogenheiten, Missverständnisse im Team und im Alltag – Todd stößt überall an seine Grenzen und sehnt sich nur noch nach Hause. Doch er begreift nach und nach, dass er dazulernen muss: Über Indien und Amerika, über die Liebe und sogar über sich selbst. Langsam merkt er, dass es Vorteile haben kann outgesourced zu sein, denn er ist im Begriff sein Herz an das fremde, furchteinflössende Land, die Menschen und an eine ganz besondere Frau zu verlieren.

Lola meint: Kinder – ich bin hin und weg! Mehr braucht ihr nicht wissen und jetzt geht gefälligst los und guckt euch “Outsourced - Auf Umwegen zum Glück” an! Wie jetzt? Was heisst hier ihr wollt mehr Infos?? Verwöhntes Gezeuch! ;o) Na dann will ich mal keine Spassbremse sein und eine (hiermit angekündigte) Lobhudelei verfassen.

Outsourced nimmt sich das brandaktuelle Thema der immer schneller fortschreitenden Globalisierung zur Brust, schafft dabei aber das schwierige Kunststück den Aufreger vieler Arbeitnehmer als locker-flockig-leichte Komödie zu verpacken, ohne dabei den Respekt für das Thema und die Betroffenen zu verlieren. Im Grunde müsste sich jeder angesprochen fühlen, denn in Zeiten, wo auch in Deutschland die grossen Konzerne dicht machen, um den Standort wegen den Billiglöhnen gen Osten zu verlagern, treibt sich das bedrohliche Outsourcing-Gespenst direkt in unseren Vorgärten herum.

Wenn wir alle jetzt mal unsere Augen und Ohren Richtung Weltgeschehen aufsperren, dann wird sehr schnell klar, dass der momentan bei unseren Wirtschaftsbossen populäre Ostblock im Grunde die Streichelzoovariante ist. Indien hat mit einem irrwitzigen Wirtschaftswachstum im zweistelligen Bereich - wobei an erster Stelle keine 1 steht - längst zum Überholmanöver angesetzt und soll schon in rund 10 Jahren alle derzeitigen Weltwirtschaftsmächte schlicht überrollt haben. Diesen Schub verdankt das gewaltige Land seinen hervorragend ausgebildeten Akademikern und der schier unerschöpflichen Zahl an Arbeitern, die sich für einen lächerlichen Euro am Tag den Arsch abackern. Den Nachweislink bleibe ich an dieser Stelle schuldig, weil ich diese nachdenklich stimmenden Infos aus einer ARD-Reportage habe, die vor ein paar Wochen lief und die an all diejenigen gehörige Arschtritte verteilt hat, die Indien mit einem mitleidigen Lächeln abtun wollen.

Genug Politikgedöhns und ab zu Outsourced. Regisseur John Jeffcoat beweist unglaubliches Gespür für das zwar nicht neue, aber mit viel Herzblut variierte Fish-out-of-Water-Thema seines auf Indie-Festivals mit Preisen überschütteten Debüt-Films. Das liegt sicher am unbestreitbaren Talent des Mannes und an der Tatsache, dass er selbst als Student für ein Semester im Rahmen eines Kulturaustauschprogramms in Nepal strandete und sich dort von allem amerikanischen verabschieden musste, was ihn, wie er glaubte, bis dahin ausgemacht hatte. Im Grunde lässt Jeffcoat seine Hauptfigur Todd exakt dasselbe durchleiden, denn für den stellt sich Indien genau so lange als totaler Albtraum aus der Hölle dar, wie er mit Wutknoten im Bauch durch die Gegend stapft und alles und jeden ablehnt. Dabei kann man Todd seine Anfangshaltung gar nicht verübeln, denn es gibt wohl kaum jemanden, der sich in so einer Lage anders verhalten oder anders fühlen würde: Todd hatte eben noch einen lockeren, sicheren und gut bezahlten Job als Manager des Call Centers eines Kitschartikel-Versandhauses, als ihn im nächsten Moment sein Chef ins Büro zitiert, um ihm mitzuteilen, dass alle entlassen werden, weil das Call Center aus Profitgründen nach Indien ausgelagert wird. Todd darf vorerst seinen Job behalten und das nur, um die Inder in kürzester Zeit für die amerikanischen Kunden fit zu machen und seinen Nachfolger auszubilden. Rrrrumms. Sowas sitzt. Todd kommt vor lauter Schock gar nicht auf die Idee zu kündigen, sondern klammert sich an den Jobstrohhalm und steigt angefressen in den Flieger.

Natürlich brechen mit der Ankunft in Indien sämtliche Klischees über unser Opfer herein, die man sich nur vorstellen kann. Das Land ist brütend heiss, laut, chaotisch, schmutzig, voller wild gestikulierender Menschen und überfüllter Züge. Taschendiebe lauern hinter jeder Ecke, das Essen ist gewöhnungsbedürftig und führt natürlich zum schlimmsten Durchfall aller Zeiten und damit zur Erkenntnis, dass sich ein indisches Durchschnittsklo doch arg vom westlichen Standard unterscheidet. Als Sahnehäubchen treibt sich noch die obligatorische heilige Kuh im Büro herum und ständig lauern fiese Fettnäpfchen in Bezug auf die Sitten und Gebräuche der Einheimischen. Kennt man alles, werden sich jetzt viele denken und das stimmt soweit auch, nur schafft es der Regisseur den bösen Kulturschock mit Charme und einem schelmischen Zwinkern zu servieren, dabei aber nie albern zu werden und alles durchaus realistisch und mit immensem Respekt für Land und Leute rüberzubringen. Der Zuschauer leidet und lacht mit Todd, aber nie über ihn und das ist der feine Unterschied, der Outsourced nicht nur den Weg ins Hirn, sondern auch in die Herzen des Publikums ebnet.

Überhaupt funktioniert Outsourced gerade auf der emotionalen Ebene und hat ein unglaubliches Timing. Immer, wenn man sich für den mies gelaunten Todd und sein entsprechend schlechtes Benehmen gerade so richtig fremdschämt, löst der Film schon in der nächsten Szene das unangenehme Gefühl durch einen versöhnlichen Gag in Wohlgefallen auf. Besonders schön sind die Szenen, in denen Todd von den Indern, die er Anfangs natürlich alle als blöd einstuft, vorgeführt wird. Da wird man Zeuge von zwar schlichten, aber dafür umso brillanteren Dialogen, die einem mehr als einmal wegen ihrer Doppelbödigkeit die Kinnlade runterklappen lassen. Sogar die in der Inhaltsangabe angedrohte Liebesgeschichte kommt fast beiläufig, angenehm unkitschig und deswegen umso berührender daher. Man kann aus ihr sogar noch vieles über das streng geheime voreheliche Liebesleben der jungen Leute lernen, die es in einem Land, in dem sogar schlichtes Berühren in der Öffentlichkeit streng verboten ist, alles andere als leicht haben.

Rieche ich da etwa noch einen Zweifel, der alleine im Raum rumsteht und ungefähr so aussieht: ‘Bäh. Ich hasse Bollywoodfilme mit dem ewigen Gesinge, Getanze und Geheule!’? Ganz falsch: Outsourced hat nichts, null und nada mit den üblichen Bollywoodkitschoverkills zu tun. Hier gibts nur völlig normale Menschen in normalen Situationen, kein Overacting und keine Gesangseinlagen. Lediglich Kennern des typischen Bollywood-Massenkinos dürfte eine kleine Verbeugung in diese Richtung auffallen: Die indischen Angestellten des Call Centers ‘zwingen’ Todd zu dem auch bei uns bekannten Hit “Saajanji Ghar Aaye” aus dem Blockbuster Kuch Kuch Hota Hai - Und ganz plötzlich ist es Liebe abzutanzen und ganz nebenbei ist in dieser Szene auch noch einer der grössten männlichen Bollywoodstars im Bild. Nein. Denkste. Nicht Shahrukh Khan ist gemeint, sondern Salman Khan, der in seiner Heimat immer noch einen Zacken berühmter als Shahrukh ist. Aber wie gesagt – diese Hommage erschliesst sich nur Kennern und fällt dem Bollyverachter nicht mal auf. Sind jetzt alle Zweifel beseitigt? Dann husch ab ins Kino, denn Outsourced ist skandalöserweise mit nur wenigen Kopien am Start und dürfte bald von den Spielplänen verschwunden sein. Und ich hätt jetzt gerne ein Chicken Marsala und einen Mangosaft.

★★★★★★★★★☆ 9/10

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