Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

um 19:18 da reingeschubst: Film || Fremdplörre: Comments (19)

Originaltitel: Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull
Genre: Action, Adventure, Fantasy
Land: USA
Jahr: 2008
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Harrison Ford, Cate Blanchett, Karen Allen, Shia LaBeouf, Ray Winstone, John Hurt, Jim Broadbent, uvm.
Läuft seit: 22.05.2008
Offizielle Webseite:
www.indianajones.com

Inhalt: Das neueste Indiana Jones Abenteuer beginnt 1957 auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges in den Wüstengebieten im Südwesten der USA. Indy ist auf einem entlegenen Flugplatz nur mit knapper Not böswilligen Sowjetagenten entkommen. Bei seiner Rückkehr an das Marshall College muss Prof. Jones feststellen, dass er vom Regen in die Traufe gekommen ist. Sein enger Freund und Dekan erklärt ihm, dass ihn seine jüngsten Aktivitäten bei den Kommunistenjägern der Regierung verdächtig gemacht haben und dass auf die Universität Druck ausgeübt wird, ihm zu kündigen. Beim Verlassen der Stadt trifft Indiana den aufsässigen jungen Mutt, der dem abenteuerlustigen Archäologen einen folgenschweren Vorschlag macht. Wenn Indy ihm bei einer Mission mit zutiefst persönlichen Motiven hilft, könne er durchaus einen der spektakulärsten archäologischen Funde der Geschichte machen: Den Kristallschädel von Akator, ein legendäres Objekt, das Faszination und Furcht auslöst und mit allerlei Aberglauben behaftet ist. Doch als Indy und Mutt zu einer der entferntesten Ecken Perus aufbrechen merken sie schnell, dass sie auf ihrer Suche nicht alleine sind.

Lola meint: Es gibt Filme, die trägt man für immer im Herzen. Sei es, weil man mit ihnen aufgewachsen ist, weil sie einen persönlichen Moment des eigenen Lebens exakt trafen und noch einmal die Gefühle dazu transportierten, weil man sie beim ersten und auch noch beim zwanzigsten Mal einfach nur überwältigend fand oder alles zusammen oder aus noch ganz anderen Gründen. Indiana Jones ist für mich einer dieser Filme bzw. Filmreihe. Ich habe ihn damals sogar noch mehr geliebt als Star Wars, was beinahe einem Sakrileg gleichkam, aber es spiegelte vielleicht schon in den 80ern meine große Schwäche für einen gewissen oldschooligen Charme wider, dem ich mich bis heute nicht entziehen kann. Das machte sich sogar in meinem mit Postern tapezierten Zimmer bemerkbar: Während meine Alterskolleginnen die damals angesagten Popstars an der Wand hatten, war meine erste Liebe Elvis, der dann im Jahre 81 von meinem Indy abgelöst wurde und in den Durststrecken zwischen den Filmen höchstens mal kurz für Depeche Mode Platz machen musste. Hach Dr. Jones. Hach Harrison.

Vielleicht wird jetzt ansatzweise klar, was in mir vorging und welche Welle der Nostalgie mich überkam, als ich gestern im Kino ungeduldig auf das völlige Abdunkeln wartete und im Geiste jeden verdammten Werbespot verfluchte, der mich vom Objekt meiner Begierde fernzuhalten versuchte. Aber obwohl ich in den letzten Tagen um alle Rezis - von der von Roger Ebert mal abgesehen - sorgfältig einen riesigen Bogen gemacht und höchstens die Überschriften gelesen hatte, ermahnte mich eine kleine fiese innere Stimme trotzdem dazu den Ball flach zu halten und keine Offenbarung zu erwarten. Denn Hey – die Veränderungen, die das Kino in den letzten 20 Jahren durchlaufen hatte, würden ihre gierigen Griffel auch nach Indy ausstrecken und dieses Kristalldings auf dem Plakat war eindeutig ein Alienschädel. Seufz.

Natürlich kam es genau so, wie mir meine innere Stimme suggerierte: CGI-Overload, wo es gute alte Handarbeit hätte sein müssen und ein geradezu schmerzhaft einfallsloses, oft schlecht getimtes und auch noch an vielen Stellen einfach nur unpassendes Drehbuch, wo es spritzige Ideen und Gefühl für die Sache gebraucht hätte. Der einer CPU entsprungene Präriehund, der einen Prolog einläutete, der unverständlicherweise gar keiner war, hätte mich noch nicht mal gestört, aber Sachen wie der Kühlschrank, die Verfolgungsjagd am Abgrund, die Affen, ganze Sets oder kleine Details wie Wolken aus Schiesspulver waren einfach zuviel des CGI-Guten. Ich könnte die Aufzählung noch endlos fortsetzen, was ich mir jetzt aber spare, denn das wäre ohnehin zuviel der Ehre für die gleichgültige Lieblosigkeit, die diese FX-Lösung in einem Indy Film für mich im Endeffekt ist. Ganz zu schweigen davon, daß auf diese Weise ganze Berufsgruppen wie Tiertrainer, Modellbastler, Stuntleute, Kulissenbauer, ect. arg dezimiert oder sogar langsam ausgerottet werden. Auf die will ich aber nicht verzichten, weil ihre Kunst auf der Leinwand einfach besser aussieht und sich besser anfühlt, als der sterile Schaltkreis-Müll.

Wie bereits erwähnt, ist das böseste Manko das Drehbuch von David Koepp, der es nach den Vorgaben von Lucas zusammenhacken musste. Vielleicht kann man Koepp noch nicht mal einen wirklichen Vorwurf wegen der Storyline machen, denn wer sich die Elemente anguckt, die Lucas offenbar unbedingt drin haben wollte, der fragt sich ohnehin, wie Koepp daraus überhaupt noch eine halbwegs zusammenhängende Geschichte stricken konnte und warum Spielberg nichts dagegen unternommen hat. Gibt es für einen Indy-Film – und es ist mir ganz egal, in welchem Jahrzehnt er angesiedelt ist - eigentlich noch unpassendere Dinge, als eine Atomexplosion, Gedankenlese und –übertragungs-Hokuspokus und vor allem Aliens inklusive UFO? Das fühlt sich mindestens so falsch an, wie ein Ruderboot in der Sahara oder der hitzeresistente Eisbär auf der tropischen Lost-Insel. Dazu kommen abgelabberte Ideenlosigkeiten, wie ein tausendmal woanders gesehener und deswegen alles andere als ‘geheimer’ Durchgang unter einem Wasserfall und vorher der Sturz über selbigen. Ach, es waren ja gleich drei. Das macht die Sache aber auch nicht neuer, sondern mindestens so abgewetzt, wie das Zerkloppen von Gefäßen, aus denen dann endlos Sand rieselt, der damit natürlich gleich riesige Steinblöcke in Bewegung setzt oder der Tod des Verräters, dem seine Goldgier zum Verhängnis wird. Mir wächst sogar schon beim drüber schreiben der Bart. Zu solchen recycelten Ärgernissen gesellen sich nervig-klamaukige Szenen wie Herrn LaPuffs Tarzannummer, Gebüschhiebe auf die Kronjuwelen, Schlangen als Seil zu missbrauchen, sich lustig verhaltende Monsterameisen und ähnlicher Scheiß. Indy-Filme hatten immer einen leicht überkandidelten Humor, aber der Kindergarten hier ging eindeutig zu weit.

Es wäre schön, wenn das alle Fehlgriffe gewesen wären, aber – man ahnt es schon – die Liste ist noch länger. Wo war denn bitte der obligatorische Prolog, der so untrennbar zu Indy gehört, wie Ketchup auf die Currywurst? Es begann wie ein Prolog, sah aus, schmeckte und roch wie einer, aber hinten rum war es doch schon die eigentliche Story. Wo war der beinahe überlebensgroße Bösewicht, der wegen seines unerbittlichen Fanatismus und seiner diabolischen Verschlagenheit eine echte Bedrohung gewesen wäre? Irina führte Befehle aus und das ohne echtes Herzblut, sondern eher wie Dienst nach Vorschrift und wann ist eigentlich Feierabend. Das Ergebnis war, dass sie wie die Karikatur einer Domina rüberkam, von der sich die Hälfte der Typen im Kinosaal sicher gerne mal den Hintern versohlen lassen würden, aber vor der niemand wirklich Angst zu haben braucht. Wahrscheinlich durfte sie auch deshalb nie direkt gegen Indy ran, sondern musste sich mit Mutt, der harmlosen Hühnerbrust, kabbeln. Denn irgendwie war klar, daß die Dame nicht mehr aufstehen würde, wenn sie von unser aller Held mit Hut eine vor die Zwölf bekommt. Und wo war eigentlich das Feingefühl für die Dramaturgie, das solche Korken verhindert hätte, wie Macs Verrat nach 5 Minuten, der sich kurz vorm Showdown so viel besser gemacht hätte oder der ebenfalls viel zu frühen Enthüllung, daß Indy Mutts Vater ist. Das wäre viel eher ein neckisches ‘Hochzeitsgeschenk’ gewesen, was der Szene den letzten Schliff und eine Extraportion Eierkuchen verpasst hätte.

Bevor ich noch ungerecht werde, will ich auch ein paar positive Dinge wie das entzückende 50er Jahre Zeitkolorit erwähnen, wo wirklich an keinem Detail gespart wurde, das man mit dieser Ära in Verbindung bringt. Eigentlich hat nur noch gefehlt, daß Natalie singend durch die Kulissen hopst, James mit traurigem Blick an der Straßenecke rumlungert und Marilyn ihren Rock über dem Lüftungsgitter fliegen lässt. Hier war einfach alles stimmig, von den Verweisen, was mit Marcus oder Indys Papa passiert ist, bis hin zur Schlägerei im Diner oder der Motorrad-Verfolgungsjagd. Ebenfalls nett - wenn auch eher aus der Not geboren, daß die Russen nicht so tolle Gegner wie die Nazis sind - waren Details wie die Andeutung, daß Irinas Jungs den Grundstein für die Klimakatastrophe gelegt haben, weil sie damals das Regenwaldplattmachen erfunden haben und sich auch sonst wie die letzten Umweltschweine und Tierschinder aufführen durften. So ein Feindbild muss schließlich aufgebaut werden und wenn es mit ‘ungewöhnlichen’, weil aktuellen Mitteln ist *g*. Außerdem war eine bestimmte Szene für mich ein echtes Highlight, bei der alle versammelten Herren im Saal die Augen verdreht haben dürften: Indys entzückende und natürlich viel zu späte Liebeserklärung an die verdammt niedliche Marion, die dank Frau Allens Ausnahmegesicht auch nach 20 Jahren (eigentlich sogar 27) immer noch nur aus lustigen Grübchen und Lachfältchen zu bestehen schien. Da presst dieser Mann, der sonst als Inbegriff der Knurrigkeit und des Pragmatismus daherkommt, alle Gefühle, zu denen er überhaupt fähig ist, in einen einzigen kurzen kitschfreien Satz, der so schön war, daß er wohl jede Frau umgehend in die Deckungsstarre hätte fallen lassen. Wow. Wer hätte Indy sowas zugetraut? Ich jedenfalls nicht. Meine volle Begeisterung bekommt ebenfalls der durchgängige Einbau von Zitaten an die vorhergehenden 3 Teile, auch wenn man das eine oder andere ruhig noch weiter hätte auswalzen können, anstatt es nur am Rande zu erwähnen. Diese Extrapackung Nostalgie passte schön zum Abschluss-Feeling der Serie, dem durch Indys und Marions Hochzeit noch die passende Cocktailkirsche aufgesetzt wurde. Ich weiß, ich weiß – das Franchise soll mit Herrn LaPuff weitergeführt werden. Aber glaubt hier jemand ernsthaft, daß ich dieser Tatsache auch nur eine Sekunde Aufmerksamkeit schenken oder auch nur ansatzweise den Namen Jones mit ihr in Verbindung bringen werde? An dem Tag feiert die Höllencrew weiße Weihnachten.

Wo ich die ganzen Darsteller bereits erwähnt habe, muss ich direkt noch mal ein bisschen näher an sie ran: Harrison Ford war wie immer unantastbar grandios in seiner Paraderolle und wirkte auch in den Actionszenen hundert Mal beeindruckender, als alle anderen zusammen. Er hatte offenbar Spaß an den dauernd präsenten Spitzen gegen sein Alter und es sichtlich genossen, diese ad absurdum zu führen. Er kann es einfach immer noch und ist immer noch scharf bis Anschlag. Yesss! Wer hier ernsthaft bemängelt, daß Harrison für irgendwas zu alt ist oder alt aussieht, der ist entweder 12 oder hat was an den Augen. Bei Karen Allen, dem besten Indy-Girl aller Zeiten, verhält es sich ebenso: Erfrischend wie am ersten Tag und der Schalk springt einen aus ihren Funken sprühenden Augen auch heute noch direkt an. Sie hat sich nicht nur ihr umwerfendes Lachen bewahrt, sondern dadurch auch einen Charme und einen Esprit, von dem aktuelle Sternchen nur träumen können. Leider hatte sie nicht wirklich viel zu tun, aber wenn sie am Drücker war, dann glühte die Leinwand. Gegen so viel Präsenz haben es die anderen natürlich schwer. Cate Blanchett hat sich wie immer wund gespielt, hatte aber gegen ihren unterdurchschnittlich entwickelten Charakter keine Chance. Ray Winstone, John Hurt und Jim Broadbent erging es kaum anders. Da hätte ich mir eine halbe Stunde mehr Laufzeit und somit mehr Raum für diese Figuren gewünscht. Wer bleibt jetzt noch übrig? Ohwei. Shia LaPuff…ach neee, LaBeouf ist ohnehin immer zu blass bzw. unbeeindruckend und sein Gesicht bleibt ebenso wenig wie sein Name hängen. Da half auch sein ewiges Rumgezappel genau so wenig, wie seine unsinnig große und hauptsächlich durch weiter oben erwähnte Klamauk-Kindergartenszenen künstlich aufgepumpte Rolle. Er wurde von Filmminute zu Filmminute immer nur nerviger und unausstehlicher und ich verfluche und verwünsche George Lucas zwar nicht für die Existenz Mutts, aber für die Besetzung, für die Mutt-Überdosis und alle Pläne punkto Indiana LaPuff. Irgendwann müsste doch eigentlich auch ein Herr Lucas den Hals und das Bankkonto mal voll genug haben.

Kann es sein, daß das hier bereits das längste Lola-Review aller Zeiten ist? Ups. Sorry. Hatte ich gar nicht vor, aber die Indy-Leidenschaft hat mich wohl übermannt. Und weil ich grade so schön in Fahrt bin, hör ich jetzt lieber auf, denn es soll ja schon Leute gegeben haben, die sich totgescrollt haben. Verdammt. Jetzt kommt die Bewertung, um die ich mich bis hier erfolgreich gedrückt hab. Ich könnte ja einfach das Kultschildchen raushängen, aber so einfach möchte ich es mir dann doch nicht machen. Im Grunde verdient Indy und der Kristallschädel insgesamt nicht mehr als 6 Punkte. Aber es ist Indy und ich will ihm keine 6 Punkte geben! Eben weil es Indy ist! Also zähle ich einfach für den Hut, für Harrisons immer noch verdammt umwerfenden Sexappeal, für Karens Grübchen und die ganzen Verbeugungen vor den alten Streifen jeweils einen halben Punkt dazu. So. Jetzt kriegt Indy 8 Punkte. Warum ich das mache? Weil ich es kann und weil ich wegen Indy nen Hormonkoller hab. Hach Dr. Jones. Hach Harrison.

★★★★★★★★☆☆ 8/10 (mit zugedrückten Hühneraugen und zwei dazugeschummelten Punkten)

 
 

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