Tödliche Versprechen - Eastern Promises

um 16:58 da reingeschubst: Film || Fremdplörre: Comments (3)

© TobisOriginaltitel: Eastern Promises
Genre: Thriller, Drama
Land: USA / GB / Kanada
Jahr: 2007
Regie: David Cronenberg
Darsteller: Viggo Mortensen, Naomi Watts, Vincent Cassel, Armin Mueller-Stahl, Sinéad Cusack, uvm
Offiz. Webseite:
www.toedlicheversprechen.de

Inhalt: Eine minderjährige Russin stirbt in einem Londoner Krankenhaus bei der Geburt ihres Kindes. Da die Identität der Toten, einer augenscheinlich drogensüchtigen Prostituierten, unbekannt ist, setzt Hebamme Anna alles daran, die Angehörigen des verwaisten Säuglings zu finden. Ihre einzigen Hinweise sind das in Russisch verfasste Tagebuch der Toten und darin ein Streichholzbriefchen mit der Adresse eines russischen Restaurants. Anna folgt der Spur und trifft dabei auf Nikolai, der für den ebenso einflussreichen wie zwielichtigen Restaurantbesitzer und Patriarchen Semyon arbeitet. Als Anna entdeckt, dass das Tagebuch Beweise enthält, die Semyon und seinen Sohn Kirill für viele Jahre hinter Gitter bringen können, schwebt sie schon längst in höchster Gefahr.

Lola meint: Anscheinend befinde ich mich im Moment auf einem masochistischen Trip in meine persönliche Filmhölle, denn nach den Coens und Farrellys dieser Welt hab ich es schon wieder mit einem Regisseur aufgenommen, dessen Arbeiten ich größtenteils nichts abgewinnen kann. Diesmal ist David Cronenberg der ‘Liebling’ des Tages, der mit “Tödliche Versprechen” eine Tür in die Welt der Londoner Russenmafia aufstößt und mir damit Informationen zukommen lässt, die ich so nie haben wollte.

Gegen den Haufen russische Gangster, der uns hier von Cronenberg vor die Füße gekotzt wird, wirkt die Cosa Nostra wie ein Sonntagsausflug einer Klosterschule und man versteht sofort, warum die sizilianischen Jungs in der internationalen Verbrechensszene mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden sind. Der Film bedient genüsslich so ziemlich jedes Klischee (hoffentlich!), das in westlichen Köpfen herumspukt, denn die gezeigten Russen sind entweder versoffene Bauerntrampel oder verrohter, stumpfer Abschaum der allerletzten Sorte, der nie kapiert hat, dass sich Respekt nicht durch Angst erzwingen lässt. Es wird eiskalt und ganz selbstverständlich gemordet, Leichen mit einem Grinsen zuerst verstümmelt und dann profan wie Müll entsorgt, Frauen vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen, während die, die ausnahmsweise nicht vergewaltigt werden trotzdem grundsätzlich alles Schlampen sind. In der wenigen Freizeit, die bei all diesen anstrengenden Beschäftigungen noch bleibt, stehen Partys, verlogene Folklore, Vodka reinkippen und illegale Geschäfte aus allen Sparten auf dem Programm, denn das Bankkonto darf schließlich nicht an Schwindsucht verrecken. Da wird man unfreiwillig ein Fan der Todesstrafe, nur um dieses Pack vom Angesicht der Erde zu tilgen.

Das Ganze klingt bis hier genau so abstoßend, wie es auch wirklich rüberkommt. So ein Setting schreit eigentlich geradezu nach einem Sympathieträger, der das Publikum bei der Stange hält und verhindert, dass man wegen der Überdosis an Abscheu vorzeitig aussteigt. Leider sieht das oft unlogische und mit gutem Willen allerhöchstens durchschnittliche Drehbuch keine derartige Figur vor, wenn ich Hebamme Anna mal ausklammere. Bei der bin ich mir nämlich nicht so ganz sicher, ob ihr unerträglicher Nervfaktor nicht eigentlich durch die übliche schlechte Leistung von Frau Watts hervorgerufen wird. Die Dame hat nicht mehr zu bieten, als mit halb offenem Mund und runden Kulleraugen in die Kamera zu glotzen, aber das kennen wir ja von ihr nicht anders und es ist schon fast müßig ihre Defizite überhaupt noch zu erwähnen. Inzwischen ist sie mit der Masche zum weiblichen Pendant von Nicolas Cage mutiert und ich frage mich ernsthaft, wann das den Castingabteilungen endlich mal auffällt. Zumindest lenkt Naomi mit ihren fehlenden Qualitäten erfolgreich von der unglaubwürdigen Motivation und dem noch unglaubwürdigeren Verhalten ihrer Figur Anna ab, denn als Zuschauer ist man schwer damit beschäftigt Frau Watts in Gedanken zu verfluchen und aus dem Film zu wünschen.

Auch der Rest der Darstellerriege konnte mich nicht wirklich vom Hocker reißen. Uns Armin müht sich zwar redlich, legt aber seinen Mafiachef als Marlon-Brando-Kopie in der Sparversion an und kommt nicht mal während eines unmotivierten Gewaltausbruchs bedrohlich rüber. Vincent Cassel darf wie üblich den Psychopathen mimen - was nach X Filmen so vorhersehbar wie langweilig geworden ist - und sorgt mit einem grauenhaft mies gespielten Anfall von schlechtem Gewissen kurz vor Ende für unfreiwillige Lacher. Fehlt noch Viggo in der männlichen Hauptrolle Nikolai: Nicht mal der konnte mich als mysteriöser Handlanger des Verbrecherclans völlig einkassieren, was zum einen daran liegt, dass er für seine körperbetonte Rolle etwas zu müde und ausgezehrt wirkt (das waren wohl ein paar Runden zuviel in der Muckibude) und er zum anderen einen Tick zu sehr den Obercoolen raushängen lässt. Aber der eigentliche Super-GAU kommt für Viggo aus einer ganz anderen Richtung, denn seiner Figur wird durch einen völlig überflüssigen Plottwist irreparabler Schaden zugefügt. Vielleicht sollte mit besagtem Twist nachträglich Nikolais unglaubwürdige weil viel zu plötzlich auftretende Verliebtheit Richtung Anna - nebst sonstigem inkonsequenten Verhalten seinerseits - plausibel gemacht werden, was aber komplett in die Hose geht und fast die ganze restliche Storyline ruiniert. Warum macht ein Drehbuchschreiber sowas Beklopptes? Das weiß wahrscheinlich nicht mal der berüchtigte Geier.

Den ganzen Punkten auf der Negativseite schließt sich noch einer an, der “Tödliche Versprechen” endgültig den Rest gibt: Cronenbergs lahmarschige und unendlich langweilige Inszenierung. Es gehört schon was dazu, das Publikum trotz Abscheulichkeiten galore sicher in den Tiefschlaf zu befördern. Uneingeschränkter Hass auf die Protagonisten ersetzt nunmal keine abwesende Spannungskurve und die halbherzige, aufgesetzt wirkende Dramatik kann da auch nichts mehr retten. Nur eines hat der Film geradezu im Überfluss und das ist eine beinahe greifbare, weil unglaublich dichte Atmosphäre. Für die Atmo, Herrn Mortensens respektable Bemühungen und die unvermutete Tatsache, dass er einen kleinen Pimmel hat, quäle ich mir immerhin ein paar Mitleidspunkte raus. Mehr geht aber echt nicht.

★★★★½☆☆☆☆☆ 4,5/10

 
 

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