Nie wieder Sex mit der Ex

um 22:14 da reingeschubst: Film || Fremdplörre: Comments (11)

Originaltitel: Forgetting Sarah Marshall
Genre: Comedy, RomCom
Land: USA
Jahr: 2008
Regie: Nicholas Stoller
Darsteller: Jason Segel, Kristen Bell, Mila Kunis, Russell Brand, Bill Hader, uvm
Läuft seit: 12.06.2008
Offizielle Webseite
www.nie-wieder-sex-mit-der-ex.de

Inhalt: Peter Bretter hat 6 Jahre damit verbracht, seine Freundin Sarah Marshall anzuhimmeln und ein unauffälliges Leben im Schatten ihrer Schönheit und ihres Ruhms als Fernsehstar zu führen. Umso härter ist der Aufprall, als sie sich von ihm trennt. Weder mexikanisches Bier noch billiger Lambrusco können ihn aus seinem verheulten Elend retten, und noch schlimmer wird es, als er aus den Nachrichten erfährt, dass sein Nachfolger an Sarahs Seite der berüchtigte Schürzenjäger und erbärmlich hippe Brit-Rocker Aldous Snow ist. Als selbst ein erfolgreicher One-Night-Stand in Tränen und Beziehungstrauer endet, entscheidet sich Peter für eine emotionale Auszeit - ein Besinnungsurlaub auf Hawaii muss her! Aber statt Abstand und Ablenkung wartet auf Peter der schlimmste Albtraum überhaupt: Seine Ex und ihr neuer Lover verbringen ihre Liebesferien im gleichen Hotel. Es beginnt ein absurder Grabenkampf, aber während Peter seinen „Ich will Sarah zurück”-Krieg führt, bringt die hübsche Hotelangestellte Rachel endlich wieder neue Perspektiven und Hoffnung in sein Leben.

Lola meint: Eigentlich sollte an dieser Stelle das Review zu Nie wieder Sex mit der Ex folgen. Leider nur eigentlich, denn der Film hat das geschafft, was seit mindestens 20 Jahren keiner mehr hingekriegt hat: Ich habe nach knallhartem innerlichen Kampf - denn normalerweise mache ich sowas nicht - nach ca. einer Stunde entnervt das Kino verlassen. Wow, ich kann immer noch nicht glauben, dass ich überhaupt so lange durchgehalten habe, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Nach Sichtung des Trailers und der Inhaltsangabe hatte ich eine fluffige Sommerkomödie erwartet, bekam aber nur eine Ansammlung von unsympathischen, nervigen Hackfressen (ausser der Hauptdarsteller, der war niedlich!), die sinnfreie, unterirdisch flache Dialoge runterspulten und dämliche Dinge taten. Das sollte für eine Komödie eigentlich ausreichen. Hat es aber nicht, denn Nie wieder Sex mit der Ex ist einfach nicht lustig. Nix. Null. Finito. Ich musste in dieser tapfer durchgehaltenen Stunde genau zwei Mal müde Grinsen. Sorry, aber das reicht nicht. Ich habe fertig, denn jedes weitere Wort ist hier schon eins zuviel. Halt. Drei hab ich doch noch: Schade ums Geld.

Keine Wertung

Anamorph - Die Kunst zu töten

um 3:56 da reingeschubst: DVD, Film || Fremdplörre: Comments (0)

Originaltitel: Anamorph
Genre: Thriller
Land: USA
Jahr: 2007
Regie: Henry Miller
Darsteller: Willem Dafoe, Scott Speedman, Peter Stormare, Clea DuVall, uvm
DVD: seit 05.06.2008 in der Leihe
Offizielle Webseite:
www.kochmedia.de/anamorph

Inhalt: Detective Stan Aubray ermittelt mit seinem Kollegen Carl in einer Mordserie. Diese ähnelt der Handschrift eines Psychopathen, den Stan Jahre zuvor gestellt hat: Der brutale Serienkiller erschafft mit der Leiche seines Opfers am Tatort ein bizarres Kunstwerk. Damit ahmt er die Anamorphose nach, eine in der Malerei verwendete Technik, in der zwei scheinbar zusammenhangslose Motive ein Gesamtbild ergeben, wenn man sie aus einer bestimmten Perspektive betrachtet. Und Stan muss bald alles in Frage stellen, um nicht selbst das nächste Opfer zu werden.

Lola meint: So kanns gehen: Da freut man sich ohne Ende auf einen Film, weil man vom Trailer so richtig böse weggerockt wurde und dann entpuppt sich der Streifen als Nullnummer. Ein typischer Fall von außen hui, innen pfui oder auch wir schnippeln die besten Szenen einfach in den Trailer und warten ab, wer alles drauf reinfällt. Ich für meinen Teil bin voll drauf reingefallen und ärgere mir die Platze. Gar nicht mal wegen der verschwendeten Zeit und den paar Talern fürs Leihen, sondern vielmehr über die Frechheit des unmotivierten Drehbuchschmierers ein so bemerkenswertes Thema dermaßen vor die Wand zu fahren.

Hatte überhaupt schon mal jemand die Idee Anamorphose in einem Film zu verwenden? Und wie scheißegal muss einem alles sein, um diese Chance so überhaupt nicht zu nutzen? Der Streifen hat zwar Atmosphäre und mächtig kranke Einfälle satt, aber er macht nichts daraus. Anamorph verreckt an oberflächlichen Charakteren, die unverständliche Dinge tun und deren Beziehung zueinander im Dunkeln bleibt. Dazu gesellt sich eine Story, die im Grunde aus einzelnen Geistesblitzen lieblos zusammengetackert wurde, ohne auch nur ansatzweise ein homogenes Ganzes bilden zu können und einem zur Krönung permanent irgendwelche Fakten per Behauptung vor den Latz knallt, um die im Grunde nicht vorhandene Storyline voranzutreiben bzw. irgendwo hinzuführen. Blöd, dass sie nirgends ankommt. Friss oder stirb, aber frag ja nicht nach.

Die schlimmste Verschwendung neben der geradezu genialen Grundidee ist der Hautdarsteller: Willem Dafoe, der verdammt noch mal spielen kann, wie er schon oft genug beweisen durfte, wird mit seiner Figur vom Drehbuch hilflos im Regen stehen gelassen und pendelt zwischen Wodka, Zwangsneurosen, unsozialem Verhalten und einem nicht verarbeiteten Trauma hin und her. Nur leider wird ihm und uns verschwiegen, was denn genau für seinen desolaten Zustand verantwortlich ist. Außer lahmen Andeutungen kommt da nichts. Und was war vor ein paar Jahren mit diesem Serienmörder, der Dafoes Figur Stan Aubray offenbar so böse mitgespielt hat? Andeutungen. Und wer ist das junge Mädel, das Aubray privat trifft und mit der er immer kryptisch über ein schlimmes Erlebnis spricht? Andeutungen. Und wen spielt da eigentlich Peter Stormare genau? Er trifft sich dauernd mit Dafoe in einem Café, tut kumpelhaft, verkauft ihm Antiquitäten, weiß alles und gibt schlaue Ratschläge. Aber wer er ist – diesmal keine Andeutungen. Null. Nada. Wozu auch. Er ist einfach da und das hat man zu akzeptieren. Genau so wie den winzigen, ca. 20-sekündigen und komplett sinnfreien Cameo von Debbie Harry als Aubrays Nachbarin. Vielen Dank für dieses Gespräch.

Was treibt denn dann eigentlich der fleißige Serienkiller mit der Vorliebe für ausgefallene Maltechniken, wenn der Rest so ausgebrochen mies umgesetzt wurde? Der darf sich wenigstens schön austoben und sorgt eindeutig für die wenigen Highlights in dieser Gurke, denn die Auffindesituationen seiner Opfer muss man eigentlich mal gesehen haben. Mein Favorit der kranken Einfälle ist eindeutig das vergammelte Fleisch-Mobile, das sich unter dem richtigen Blickwinkel in einen morbiden Greifvogel verwandelt. Blöd nur, dass man nie sieht, wie er sich an seine Opfer ranwanzt, geschweige denn ihnen das Licht ausknipst, nach welchem Muster er sie überhaupt auswählt, warum er ausgerechnet auf Anamorphose steht, was er eigentlich mit dem Killerkollegen von vor ein paar Jahren zu tun hat, wie immer wieder behauptet wird und warum er Aubray so lieb hat, dass er ihm dauernd Hinweise zukommen lässt. Sowas würde nur unnütze Spannung erzeugen und die kann man in einem Thriller ja nun überhaupt nicht gebrauchen. Und einen anständigen, alles auflösenden Showdown auch nicht. Nicht, dass noch jemand in den letzten 10 Minuten aufwacht. Merkt man eigentlich, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon leicht verzweifelt bin? Seufz.

Und was haben wir hier nun? Neben Fragen über Fragen eine brillante Idee und einen renommierten, vom Pech verfolgten Hauptdarsteller. Beide werden in einem unterirdischen Drehbuch verheizt, das jeder Anfänger im Autorengrundkurs besser hinbekommen hätte. Sowas tut weh. Und es ist überflüssig. Schande über die Verantwortlichen.

★★★★½☆☆☆☆☆ 4,5/10

Zombie Strippers

um 23:16 da reingeschubst: DVD, Film || Fremdplörre: Comments (5)

Originaltitel: Zombie Strippers!
Genre: Trash, Horror, Comedy
Land: USA
Jahr: 2008
Regie: Jay Lee
Darsteller: Jenna Jameson, Robert Englund, Roxy Saint, Joey Medina, Shamron Moore, Penny Drake, Jennifer Holland, uvm
DVD (Unrated): seit 29.05.2008 in der Leihe
Offizielle Webseite:
www.zombiestrippers-movie.com

Inhalt: Als eine geheime Regierungsorganisation einen chemischen Virus freisetzt, der Tote wieder zum Leben erweckt, ist der angesagte illegale Stripclub Rhino’s als erstes betroffen. Stripperin Kat infiziert sich unabsichtlich mit dem Virus, verwandelt sich in eine übermenschliche, Fleischfressende Zombiestripperin und wird zum Star des Clubs. Alle Gäste wollen nur noch sie strippen sehen und buhen die anderen Mädels von der Bühne. Können die anderen Stripperinnen der Versuchung widerstehen sich auch infizieren zu lassen, um auf diese Weise so erfolgreich wie Kat zu werden?

Lola meint: Wooooohoooaaa. War DER schlecht. Muss ich dazu eigentlich noch mehr schreiben? Im Grunde ist jeder weitere Buchstabe nur eine zusätzliche sinnlose Verschwendung von Lebenszeit, von der ich schon genug bei Ansicht dieses Blödsinns verballert hab. Aber differenzieren wir erstmal: Es gibt schlechte Filme, die so mies sind, daß man sie guten Gewissens schonwieder gut finden kann, weil sie z.B. unwiderstehlichen Trash-Charme, reichlich Augengezwinker und Anglotzabfeierpartyabend-Qualis haben und es gibt schlechte Filme, die sind einfach nur schlecht. Zombie Strippers fällt eindeutig in die zweite Kategorie.

Regisseur Jay Lee hat sich offenbar vorgenommen mit einem Budget von (grob geschätzt) 500 Dollar einen Mörderkultfilm zu drehen. Dieser Vorsatz schreit einem jede Filmsekunde lang verkrampft entgegen und deswegen hat es mich umso mehr gewundert, daß ihm zum Thema Kultfilm nicht mehr als Zombies, Plastiktitten und ein paar lahme Gags eingefallen sind. OK - Zombies sind zwar durchaus eine gute Grundlage, aber wenn der Rest nicht stimmt, beißen…äh reißen die verlodderten Kadaver auch nix mehr raus.

Eine Story ist nur rudimentär vorhanden und nicht weiter erwähnenswert. Das soll aber nicht weiter stören, denn ZS soll ja eigentlich einfach nur Spaß machen. Tut er aber nicht. Das liegt vor allem an der fehlenden Spannung, denn endloses, völlig talentfreies und komplett unaufregendes Gestrippe von mächtig hässlichen Bräuten wird auch nach der x-ten Wiederholung nicht besser. Vorneweg langweilt das totgepimperte Pornowrack Jenna Jameson, die inzwischen wie eine lebende Warnung vor den Gefahren der Plastischen Chirurgie rumrennt. Der Gesichtsfasching ist (angeblich) 34, sieht aber eher wie eine verzweifelt auf jung geschnippelte 50-jährige aus und ich hatte zwischendurch echt Schiss, daß ihr entweder ne Liftingnaht aufplatzt oder ihr die grotesk schlecht gemachten Silikontitten die mageren Rippenbögen eindrücken. Wer will sowas nackt sehen? Und wäre ich jetzt zu gemein, wenn ich anmerke, daß der Unterschied zwischen Jenna mit Zombie-Makeup und Jenna ohne Zombie-Makeup kaum auszumachen war? Die anderen Damen im Cast waren auf der Aussehensskala ebenfalls im unteren Drittel angesiedelt, was bei nem Streifen mit ‘Stripper’ im Titel dann doch eher tödlich ist. Mein männlicher Mitglotzer hats eigentlich schön auf den Punkt gebracht: Also bei den Steintauben da kann man nur ins Kloster gehen, auf Handbetrieb umstellen oder einfach schwul werden.

Kann ich überhaupt was Nettes sagen? Kann ich: Robert Englund gibt sich redlich Mühe lustig zu sein, kann aber leider bei den öden Gags nicht viel ausrichten. Zumindest der handgemachte Splatter sieht ordentlich weil angemessen mantschig aus, was das beschissene CGI fast verschmerzen lässt. Und last but not least: Der Einfall, Jenna mit ihrer eisenhart trainierten Kampfmöse Billardkugeln auf ihre Rivalin abfeuern zu lassen, hatte was – auch wenn die Kamera US-typisch g’schamig auf Taillenhöhe blieb. Ansonsten gabs nur Langeweile, ab und an ein müdes Grinsen und die Bestätigung, daß sich ein Kultfilm nicht erzwingen lässt. Ach, hau doch ab.

★★★☆☆☆☆☆☆☆ 3/10

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

um 19:18 da reingeschubst: Film || Fremdplörre: Comments (19)

Originaltitel: Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull
Genre: Action, Adventure, Fantasy
Land: USA
Jahr: 2008
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Harrison Ford, Cate Blanchett, Karen Allen, Shia LaBeouf, Ray Winstone, John Hurt, Jim Broadbent, uvm.
Läuft seit: 22.05.2008
Offizielle Webseite:
www.indianajones.com

Inhalt: Das neueste Indiana Jones Abenteuer beginnt 1957 auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges in den Wüstengebieten im Südwesten der USA. Indy ist auf einem entlegenen Flugplatz nur mit knapper Not böswilligen Sowjetagenten entkommen. Bei seiner Rückkehr an das Marshall College muss Prof. Jones feststellen, dass er vom Regen in die Traufe gekommen ist. Sein enger Freund und Dekan erklärt ihm, dass ihn seine jüngsten Aktivitäten bei den Kommunistenjägern der Regierung verdächtig gemacht haben und dass auf die Universität Druck ausgeübt wird, ihm zu kündigen. Beim Verlassen der Stadt trifft Indiana den aufsässigen jungen Mutt, der dem abenteuerlustigen Archäologen einen folgenschweren Vorschlag macht. Wenn Indy ihm bei einer Mission mit zutiefst persönlichen Motiven hilft, könne er durchaus einen der spektakulärsten archäologischen Funde der Geschichte machen: Den Kristallschädel von Akator, ein legendäres Objekt, das Faszination und Furcht auslöst und mit allerlei Aberglauben behaftet ist. Doch als Indy und Mutt zu einer der entferntesten Ecken Perus aufbrechen merken sie schnell, dass sie auf ihrer Suche nicht alleine sind.

Lola meint: Es gibt Filme, die trägt man für immer im Herzen. Sei es, weil man mit ihnen aufgewachsen ist, weil sie einen persönlichen Moment des eigenen Lebens exakt trafen und noch einmal die Gefühle dazu transportierten, weil man sie beim ersten und auch noch beim zwanzigsten Mal einfach nur überwältigend fand oder alles zusammen oder aus noch ganz anderen Gründen. Indiana Jones ist für mich einer dieser Filme bzw. Filmreihe. Ich habe ihn damals sogar noch mehr geliebt als Star Wars, was beinahe einem Sakrileg gleichkam, aber es spiegelte vielleicht schon in den 80ern meine große Schwäche für einen gewissen oldschooligen Charme wider, dem ich mich bis heute nicht entziehen kann. Das machte sich sogar in meinem mit Postern tapezierten Zimmer bemerkbar: Während meine Alterskolleginnen die damals angesagten Popstars an der Wand hatten, war meine erste Liebe Elvis, der dann im Jahre 81 von meinem Indy abgelöst wurde und in den Durststrecken zwischen den Filmen höchstens mal kurz für Depeche Mode Platz machen musste. Hach Dr. Jones. Hach Harrison.

Vielleicht wird jetzt ansatzweise klar, was in mir vorging und welche Welle der Nostalgie mich überkam, als ich gestern im Kino ungeduldig auf das völlige Abdunkeln wartete und im Geiste jeden verdammten Werbespot verfluchte, der mich vom Objekt meiner Begierde fernzuhalten versuchte. Aber obwohl ich in den letzten Tagen um alle Rezis - von der von Roger Ebert mal abgesehen - sorgfältig einen riesigen Bogen gemacht und höchstens die Überschriften gelesen hatte, ermahnte mich eine kleine fiese innere Stimme trotzdem dazu den Ball flach zu halten und keine Offenbarung zu erwarten. Denn Hey – die Veränderungen, die das Kino in den letzten 20 Jahren durchlaufen hatte, würden ihre gierigen Griffel auch nach Indy ausstrecken und dieses Kristalldings auf dem Plakat war eindeutig ein Alienschädel. Seufz.

Natürlich kam es genau so, wie mir meine innere Stimme suggerierte: CGI-Overload, wo es gute alte Handarbeit hätte sein müssen und ein geradezu schmerzhaft einfallsloses, oft schlecht getimtes und auch noch an vielen Stellen einfach nur unpassendes Drehbuch, wo es spritzige Ideen und Gefühl für die Sache gebraucht hätte. Der einer CPU entsprungene Präriehund, der einen Prolog einläutete, der unverständlicherweise gar keiner war, hätte mich noch nicht mal gestört, aber Sachen wie der Kühlschrank, die Verfolgungsjagd am Abgrund, die Affen, ganze Sets oder kleine Details wie Wolken aus Schiesspulver waren einfach zuviel des CGI-Guten. Ich könnte die Aufzählung noch endlos fortsetzen, was ich mir jetzt aber spare, denn das wäre ohnehin zuviel der Ehre für die gleichgültige Lieblosigkeit, die diese FX-Lösung in einem Indy Film für mich im Endeffekt ist. Ganz zu schweigen davon, daß auf diese Weise ganze Berufsgruppen wie Tiertrainer, Modellbastler, Stuntleute, Kulissenbauer, ect. arg dezimiert oder sogar langsam ausgerottet werden. Auf die will ich aber nicht verzichten, weil ihre Kunst auf der Leinwand einfach besser aussieht und sich besser anfühlt, als der sterile Schaltkreis-Müll.

Wie bereits erwähnt, ist das böseste Manko das Drehbuch von David Koepp, der es nach den Vorgaben von Lucas zusammenhacken musste. Vielleicht kann man Koepp noch nicht mal einen wirklichen Vorwurf wegen der Storyline machen, denn wer sich die Elemente anguckt, die Lucas offenbar unbedingt drin haben wollte, der fragt sich ohnehin, wie Koepp daraus überhaupt noch eine halbwegs zusammenhängende Geschichte stricken konnte und warum Spielberg nichts dagegen unternommen hat. Gibt es für einen Indy-Film – und es ist mir ganz egal, in welchem Jahrzehnt er angesiedelt ist - eigentlich noch unpassendere Dinge, als eine Atomexplosion, Gedankenlese und –übertragungs-Hokuspokus und vor allem Aliens inklusive UFO? Das fühlt sich mindestens so falsch an, wie ein Ruderboot in der Sahara oder der hitzeresistente Eisbär auf der tropischen Lost-Insel. Dazu kommen abgelabberte Ideenlosigkeiten, wie ein tausendmal woanders gesehener und deswegen alles andere als ‘geheimer’ Durchgang unter einem Wasserfall und vorher der Sturz über selbigen. Ach, es waren ja gleich drei. Das macht die Sache aber auch nicht neuer, sondern mindestens so abgewetzt, wie das Zerkloppen von Gefäßen, aus denen dann endlos Sand rieselt, der damit natürlich gleich riesige Steinblöcke in Bewegung setzt oder der Tod des Verräters, dem seine Goldgier zum Verhängnis wird. Mir wächst sogar schon beim drüber schreiben der Bart. Zu solchen recycelten Ärgernissen gesellen sich nervig-klamaukige Szenen wie Herrn LaPuffs Tarzannummer, Gebüschhiebe auf die Kronjuwelen, Schlangen als Seil zu missbrauchen, sich lustig verhaltende Monsterameisen und ähnlicher Scheiß. Indy-Filme hatten immer einen leicht überkandidelten Humor, aber der Kindergarten hier ging eindeutig zu weit.

Es wäre schön, wenn das alle Fehlgriffe gewesen wären, aber – man ahnt es schon – die Liste ist noch länger. Wo war denn bitte der obligatorische Prolog, der so untrennbar zu Indy gehört, wie Ketchup auf die Currywurst? Es begann wie ein Prolog, sah aus, schmeckte und roch wie einer, aber hinten rum war es doch schon die eigentliche Story. Wo war der beinahe überlebensgroße Bösewicht, der wegen seines unerbittlichen Fanatismus und seiner diabolischen Verschlagenheit eine echte Bedrohung gewesen wäre? Irina führte Befehle aus und das ohne echtes Herzblut, sondern eher wie Dienst nach Vorschrift und wann ist eigentlich Feierabend. Das Ergebnis war, dass sie wie die Karikatur einer Domina rüberkam, von der sich die Hälfte der Typen im Kinosaal sicher gerne mal den Hintern versohlen lassen würden, aber vor der niemand wirklich Angst zu haben braucht. Wahrscheinlich durfte sie auch deshalb nie direkt gegen Indy ran, sondern musste sich mit Mutt, der harmlosen Hühnerbrust, kabbeln. Denn irgendwie war klar, daß die Dame nicht mehr aufstehen würde, wenn sie von unser aller Held mit Hut eine vor die Zwölf bekommt. Und wo war eigentlich das Feingefühl für die Dramaturgie, das solche Korken verhindert hätte, wie Macs Verrat nach 5 Minuten, der sich kurz vorm Showdown so viel besser gemacht hätte oder der ebenfalls viel zu frühen Enthüllung, daß Indy Mutts Vater ist. Das wäre viel eher ein neckisches ‘Hochzeitsgeschenk’ gewesen, was der Szene den letzten Schliff und eine Extraportion Eierkuchen verpasst hätte.

Bevor ich noch ungerecht werde, will ich auch ein paar positive Dinge wie das entzückende 50er Jahre Zeitkolorit erwähnen, wo wirklich an keinem Detail gespart wurde, das man mit dieser Ära in Verbindung bringt. Eigentlich hat nur noch gefehlt, daß Natalie singend durch die Kulissen hopst, James mit traurigem Blick an der Straßenecke rumlungert und Marilyn ihren Rock über dem Lüftungsgitter fliegen lässt. Hier war einfach alles stimmig, von den Verweisen, was mit Marcus oder Indys Papa passiert ist, bis hin zur Schlägerei im Diner oder der Motorrad-Verfolgungsjagd. Ebenfalls nett - wenn auch eher aus der Not geboren, daß die Russen nicht so tolle Gegner wie die Nazis sind - waren Details wie die Andeutung, daß Irinas Jungs den Grundstein für die Klimakatastrophe gelegt haben, weil sie damals das Regenwaldplattmachen erfunden haben und sich auch sonst wie die letzten Umweltschweine und Tierschinder aufführen durften. So ein Feindbild muss schließlich aufgebaut werden und wenn es mit ‘ungewöhnlichen’, weil aktuellen Mitteln ist *g*. Außerdem war eine bestimmte Szene für mich ein echtes Highlight, bei der alle versammelten Herren im Saal die Augen verdreht haben dürften: Indys entzückende und natürlich viel zu späte Liebeserklärung an die verdammt niedliche Marion, die dank Frau Allens Ausnahmegesicht auch nach 20 Jahren (eigentlich sogar 27) immer noch nur aus lustigen Grübchen und Lachfältchen zu bestehen schien. Da presst dieser Mann, der sonst als Inbegriff der Knurrigkeit und des Pragmatismus daherkommt, alle Gefühle, zu denen er überhaupt fähig ist, in einen einzigen kurzen kitschfreien Satz, der so schön war, daß er wohl jede Frau umgehend in die Deckungsstarre hätte fallen lassen. Wow. Wer hätte Indy sowas zugetraut? Ich jedenfalls nicht. Meine volle Begeisterung bekommt ebenfalls der durchgängige Einbau von Zitaten an die vorhergehenden 3 Teile, auch wenn man das eine oder andere ruhig noch weiter hätte auswalzen können, anstatt es nur am Rande zu erwähnen. Diese Extrapackung Nostalgie passte schön zum Abschluss-Feeling der Serie, dem durch Indys und Marions Hochzeit noch die passende Cocktailkirsche aufgesetzt wurde. Ich weiß, ich weiß – das Franchise soll mit Herrn LaPuff weitergeführt werden. Aber glaubt hier jemand ernsthaft, daß ich dieser Tatsache auch nur eine Sekunde Aufmerksamkeit schenken oder auch nur ansatzweise den Namen Jones mit ihr in Verbindung bringen werde? An dem Tag feiert die Höllencrew weiße Weihnachten.

Wo ich die ganzen Darsteller bereits erwähnt habe, muss ich direkt noch mal ein bisschen näher an sie ran: Harrison Ford war wie immer unantastbar grandios in seiner Paraderolle und wirkte auch in den Actionszenen hundert Mal beeindruckender, als alle anderen zusammen. Er hatte offenbar Spaß an den dauernd präsenten Spitzen gegen sein Alter und es sichtlich genossen, diese ad absurdum zu führen. Er kann es einfach immer noch und ist immer noch scharf bis Anschlag. Yesss! Wer hier ernsthaft bemängelt, daß Harrison für irgendwas zu alt ist oder alt aussieht, der ist entweder 12 oder hat was an den Augen. Bei Karen Allen, dem besten Indy-Girl aller Zeiten, verhält es sich ebenso: Erfrischend wie am ersten Tag und der Schalk springt einen aus ihren Funken sprühenden Augen auch heute noch direkt an. Sie hat sich nicht nur ihr umwerfendes Lachen bewahrt, sondern dadurch auch einen Charme und einen Esprit, von dem aktuelle Sternchen nur träumen können. Leider hatte sie nicht wirklich viel zu tun, aber wenn sie am Drücker war, dann glühte die Leinwand. Gegen so viel Präsenz haben es die anderen natürlich schwer. Cate Blanchett hat sich wie immer wund gespielt, hatte aber gegen ihren unterdurchschnittlich entwickelten Charakter keine Chance. Ray Winstone, John Hurt und Jim Broadbent erging es kaum anders. Da hätte ich mir eine halbe Stunde mehr Laufzeit und somit mehr Raum für diese Figuren gewünscht. Wer bleibt jetzt noch übrig? Ohwei. Shia LaPuff…ach neee, LaBeouf ist ohnehin immer zu blass bzw. unbeeindruckend und sein Gesicht bleibt ebenso wenig wie sein Name hängen. Da half auch sein ewiges Rumgezappel genau so wenig, wie seine unsinnig große und hauptsächlich durch weiter oben erwähnte Klamauk-Kindergartenszenen künstlich aufgepumpte Rolle. Er wurde von Filmminute zu Filmminute immer nur nerviger und unausstehlicher und ich verfluche und verwünsche George Lucas zwar nicht für die Existenz Mutts, aber für die Besetzung, für die Mutt-Überdosis und alle Pläne punkto Indiana LaPuff. Irgendwann müsste doch eigentlich auch ein Herr Lucas den Hals und das Bankkonto mal voll genug haben.

Kann es sein, daß das hier bereits das längste Lola-Review aller Zeiten ist? Ups. Sorry. Hatte ich gar nicht vor, aber die Indy-Leidenschaft hat mich wohl übermannt. Und weil ich grade so schön in Fahrt bin, hör ich jetzt lieber auf, denn es soll ja schon Leute gegeben haben, die sich totgescrollt haben. Verdammt. Jetzt kommt die Bewertung, um die ich mich bis hier erfolgreich gedrückt hab. Ich könnte ja einfach das Kultschildchen raushängen, aber so einfach möchte ich es mir dann doch nicht machen. Im Grunde verdient Indy und der Kristallschädel insgesamt nicht mehr als 6 Punkte. Aber es ist Indy und ich will ihm keine 6 Punkte geben! Eben weil es Indy ist! Also zähle ich einfach für den Hut, für Harrisons immer noch verdammt umwerfenden Sexappeal, für Karens Grübchen und die ganzen Verbeugungen vor den alten Streifen jeweils einen halben Punkt dazu. So. Jetzt kriegt Indy 8 Punkte. Warum ich das mache? Weil ich es kann und weil ich wegen Indy nen Hormonkoller hab. Hach Dr. Jones. Hach Harrison.

★★★★★★★★☆☆ 8/10 (mit zugedrückten Hühneraugen und zwei dazugeschummelten Punkten)

Iron Man

um 11:43 da reingeschubst: Film || Fremdplörre: Comments (8)

Originaltitel: Iron Man
Genre: Action, Science Fiction
Land: USA
Jahr: 2008
Regie: Jon Favreau
Darsteller: Robert Downey Jr., Terrence Howard, Jeff Bridges, Gwyneth Paltrow, Shaun Toub, Faran Tahir, uvm
Läuft seit: 01.05.2008
Offizielle Webseite:
ironmanmovie.marvel.com

Inhalt: Tony Stark ist ein genialer Erfinder und Großindustrieller, der es in der Rüstungsbranche zum Milliardär gebracht hat. Seine Firma ist seit Jahrzehnten der wichtigste Waffenlieferant der US-Regierung. Alles verläuft in Starks Leben nach Plan, bis er während eines Waffen-Tests von Terroristen entführt wird. Er wird durch Granatsplitter lebensgefährlich verletzt und gezwungen für Raza, den Anführer der Aufständischen, eine verheerende Waffe zu bauen. Doch stattdessen entwickelt Stark heimlich eine Rüstung, die ihn schützt und ihm die Flucht ermöglicht. Zurück in Amerika und seinem alten Leben stellt er sich seiner Vergangenheit und ist bereit seine Firma in eine neue Richtung zu lenken, trotz des Widerstands seiner rechten Hand Obadiah Stane, der während seiner Abwesenheit die Geschäfte übernommen hat. Stark verbringt Tag und Nacht in seiner Werkstatt um die Rüstung zu perfektionieren. Als er mit Hilfe seiner langjährigen Assistentin Pepper Potts und seines Vertrauten beim Militär eine Verschwörung weltweiten Ausmaßes aufdeckt, gibt es kein Halten mehr: Stark alias Iron Man macht sich in seiner High-Tech-Rüstung auf, die Welt vor der Katastrophe zu retten. Es ist die Geburtsstunde eines neuen Superhelden!

Lola meint: Als ich Iron Man letzten Freitag endlich gesehen habe, wollte ich zuerst gar nichts darüber schreiben, weil sich nach dem Abspann so ein seltsam taubes Gefühl bei mir eingestellt hatte, das für mich nicht direkt greifbar war. Nachdem ich das Ganze erstmal habe sacken lassen wurde mir klar, daß ich weder enttäuscht, noch irgendwie begeistert war, sondern eigentlich gar nichts empfunden habe. Ein herber Schlag: Der Streifen, auf den ich mich seit Wochen wie blöde vorgefreut hatte, hat mich einfach kalt gelassen.

Ich lese heute keine Comics und habe es auch früher nie ernsthaft bzw. regelmäßig getan, von ein paar Ausgaben Asterix und dem üblichen Entenhausen-Kram mal abgesehen, den wohl jeder irgendwann mal in der Hand hatte. Das Metier konnte mich einfach nie packen. Demnach kenne ich die Iron Man Comics und alle anderen Veröffentlichungen auf dem Sektor nicht, sondern kann immer nur nach ihren Verfilmungen gehen. Trotzdem frage ich mich gerade hier, wie viel der Film mit seiner Vorlage zu tun hat und ob die Charaktere dort auch so schludrig behandelt wurden. Denn wenn ich den Grund benennen muss, warum mir der Iron Man nach dem Abspann so egal war, dann sind es die oberflächlichen Figuren.

Ohne Robert Downey Jr., der sich wirklich mit Verve in die Sache reingehängt und so viel Charisma versprüht hat, daß es eine eigene Postleitzahl verdient hätte, wäre ich spätestens nach der Hälfte aus dem Kino gerannt. Der Mann hat sich den Arsch abgespielt, um seiner blutleeren Figur Leben einzuhauchen, scheiterte aber letztendlich am Skript, das sich lieber entweder von Actionszene zu Actionszene hangelte, oder die restliche Laufzeit mit nichtssagendem Geplänkel füllte. Mir ist durchaus klar, daß Downey’s Tony Stark als ambivalenter Charakter angelegt ist, aber für mich blieb er auch nach seinem viel zu schnell forcierten – und dadurch völlig unglaubwürdigen – Sinneswandel immer noch ein Riesenarschloch, das außer ein paar lockeren Sprüchen, aufgesetzt wirkendem Sarkasmus und widerlichem Machogehabe nichts zu bieten hatte.

Auch die beiden anderen ‘großen’ Figuren blieben leider Gottes viel zu blass, um auch nur ansatzweise Eindruck zu hinterlassen. Jeff Bridges hat zwar gewohnt superb performt, hatte aber viel zu wenig zu tun, um dem ganzen Quatsch wirklich einen Stempel aufdrücken zu können und musste zu allem Überfluss auch noch den Löffel reichlich unwürdig in einem mehr als einfallslosen Showdown abgeben. Und Gwinnis, oder wie die Krähe heißt, ist in jedem Streifen gleich langweilig und farblos, was sich bei einer reinen Deko-Rolle wie Pepper Potts natürlich doppelt verheerend auswirkt - bei ihrem Auftritt sind mir nämlich glatt die Füße eingeschlafen.

Keine Ahnung, ob die dünne Brühe unter einem anderen Regisseur süffiger geworden wäre, aber ich vermute es einfach mal. Jon Favreau hat halt noch nicht so rasend viel Erfahrung, deswegen gehe ich davon aus, daß einem Mann mit mehr Job-Routine die Defizite der Story eher aufgefallen wären und er frühzeitig etwas dagegen unternommen hätte. Vielleicht wird ja im nächsten Iron Man alles besser, was ich der Figur und Onkel Robert, der geilen coolen Sau, durchaus wünschen würde, denn Potential ist allemal vorhanden.

Ich hab jetzt keinen Bock mehr mich an dieser Stelle noch weiter mit dem Iron Man aufzuhalten, deswegen schmeiß ich mal lieber ein schnelles Fazit in die Botanik. Substanz- und seelenloser, an einer 08/15-Story leidender Actionstreifen mit nett anzuschauenden, aber keinesfalls spektakulären Effekten, der auch noch offensichtlich komplett leidenschaftslos runtergekurbelt wurde meets einen umwerfenden Hauptdarsteller, den er wegen dessen verschwendeter Qualitäten gar nicht verdient hat. Und genau deswegen werden die X-Men wohl noch lange mein filmgewordener Comicfavorit bleiben. Das konnte ich mir jetzt wirklich nicht verkneifen.

★★★★★½☆☆☆☆ 5,5/10

[REC]

um 3:57 da reingeschubst: Film || Fremdplörre: Comments (5)

Originaltitel: [REC]
Genre: Horror, Thriller, (unfreiwillig) Comedy
Land: Spanien
Jahr: 2007
Regie: Jaume Balagueró und Paco Plaza
Darsteller: Manuela Velasco, Javier Botet, Manuel Bronchud, Martha Carbonell, Vicente Gil, uvm
Läuft ab: 08.05.2008
Offizielle Webseite:
www.3l-filmverleih.de/rec

Inhalt: Fernsehmoderatorin Angela Vidal und ihr Kameramann Pablo wollen eigentlich nur für eine Reality-Soap die Nachtschicht in einer Feuerwache dokumentieren. So denken sie sich nichts weiter, als die Feuerwehrmänner zu einem Routine-Einsatz in ein altes Mietshaus gerufen werden. Dort sollen sie der Polizei die Tür zur Wohnung einer alten Frau öffnen, die offenbar hilflos ist und sich durch Schreie bemerkbar gemacht hat. Doch dann werden die Helfer von der blutverschmierten Frau in der Wohnung angegriffen. Ein Polizist wird von ihr sogar gebissen und schwer verletzt. Da das Gebäude aber mittlerweile vom Gesundheitsamt abgesperrt wurde, sind das Fernsehteam, die Beamten, die Feuerwehrmänner und die Mieter im Haus gefangen. Dann bricht plötzlich die Hölle los.

Lola meint: Hurra. Tröööt. Und noch ein Wackelcam-Film. Was ich grundsätzlich von diesem Subgenre halte oder anders gesagt daran hasse, habe ich letztens schon mal beiläufig erwähnt. Immerhin - was der Trailer zu Cloverfield nicht geschafft hat, hat zumindest der [REC]-Trailer hingekriegt: Ich hab mal kurzzeitig meine Abneigung gegen verwackelte Pseudo-Amateurbilder beiseite gepackt und mir den Streifen angesehen.

Wie ich der offiziellen [REC]-Webseite entnehmen darf, haben die beiden Regisseure Jaume Balagueró und Paco Plaza absichtlich den Mockumentary-Stil gewählt, um so viel Angst und Schrecken wie möglich zu verbreiten. Ich fände es besser, wen die beiden so ehrlich wären zuzugeben, daß sie nur deshalb auf ein anständiges Bild verzichtet haben, weil sie a) der irrigen Annahme waren, daß sie dadurch ihr Butterbrotpapierdünnes Drehbuch besser vertuschen können - sofern ein solches überhaupt existiert hat – und es b) gerade furchtbar hip ist das Publikum seekrank zu machen. Wenn nämlich überhaupt irgendwas an [REC] auffällt, dann ist es das mit Gewalt in die Story gepreßte Fernsehteam, das für die Storyline überflüssig wie eine Zecke am Hintern ist und offensichtlich nur als Alibi für das Kameragewackel und obendrein als Füllmaterial dient, um überhaupt auf Spielfilmlänge zu kommen.

Halt. Ich könnte mir sogar noch einen dritten Grund vorstellen: Jaume und Paco wollten sich wahrscheinlich einen Spaß machen und mich mit ihrer miesen Hauptdarstellerin bis zur Weißglut nerven. Manuela Velasco, die die Moderationspraktikantin Angela gibt und deswegen während 98% des Films im Bild ist, fährt mangels Talent entweder die penetrante Bambi-Niedlichkeitsschiene oder macht einen auf völlig überdrehtes, dauerquasselndes Nervenbündel, womit sich ihr Spektrum auch schon erschöpft hätte. Man könnte meinen, daß das an Talent für einen Horrorfilm reicht, aber blöderweise machen ihre limitierten Fähigkeiten die Dame so unsympathisch, daß mir ihr Schicksal komplett egal war und ich mir schon recht früh nur noch gewünscht habe, die ‘Infizierten’ würden sie endlich zum Schweigen bringen.

Wer meint, daß ich bereits die Hasskappe auf habe, der liegt falsch, denn die ziehe ich jetzt erst aus der Schublade. Kommen wir zum oben erwähnten kaum vorhandenen ‘Drehbuch’. Allein das Wort dürfte schon länger sein als das Skript, das Jaume und Paco wahrscheinlich auf ein Tempotaschentuch gekritzelt hatten. Obwohl der Streifen noch nicht mal die magische 90 Minuten Grenze schafft, haben die beiden trotzdem jede sich bietende Gelegenheit genutzt, um die Charaktere so unglaubwürdig wie möglich erscheinen zu lassen. Ich möchte gerne mal Polizisten und Feuerwehrmänner sehen, die im Einsatz sofort komplett ausflippen, rumrennen wie ein Hühnerhaufen und konsequent nur noch völlig hysterisch irgendeinen Blödsinn veranstalten, nur weil etwas Unvorhergesehenes passiert bzw. weil ein Kollege verletzt wird. Das ist mindestens ebenso unglaubwürdig wie der Vorgang, daß das Gesundheitsamt wegen einer Meldung eines Veterinärs über einen unbekannten Krankheitserreger bei einem Hund innerhalb von ein paar Minuten einfach mal so das ganze Haus abriegelt und keinen mehr raus lässt. Klar doch. So einen Schwachfug empfinde ich in einem Film, der sich gerne als ‘realistisch’ darstellen will und deswegen einen auf Pseudo-Doku macht, um so mehr als persönliche Beleidigung und da hört der Spaß auf. Da ist es fast schon Nebensache, daß der ganze Streifen und jeder seiner armseligen Schockeffekte so vorhersagbar wie der Inhalt des nächsten Pilcher-Films im ZDF ist.

Und was lernen wir daraus? Grundloses Herumgerenne nebst dauerndem hysterischen Geplärre und einer mich um den Verstand quatschenden Angela (stirb endlich, du Aas!) erzeugt noch lange keine Spannung. Das Einzige, was an [REC] einigermaßen gefetzt hat, waren die letzten paar Minuten im Nachtsichtmodus inklusive eines Zombies einer Infizierten, die aussah wie Kate Moss ohne Klamotten, aber dafür mit riesigem Schiesserschlüpper. Dafür leier ich mir zwei Gnadenpunkte raus und weil ich grade in großzügiger Stimmung bin, ignoriere ich sogar die blöde Holzhammer-Erklärung mit der besessenen Göre, sonst müsste ich die Gnadenpunkte nämlich gleich wieder abziehen.

★★☆☆☆☆☆☆☆☆ 2/10

Grey’s Anatomy (Season 4 - erste Hälfte)

um 23:51 da reingeschubst: Fernsehen, TV-Serien || Fremdplörre: Comments (0)

Mittwoch Abend lief mit Episode 11 das durch den Autorenstreik ungeplante Halbzeitfinale der 4. Staffel Grey’s. Die Season hatte bisher zwar ein paar wirklich gute Highlights, wie z.B. Baileys Nazi-OP oder die geplatzte Halsschlagaderndreimeterfontäne, die sogar George A. Romero neidisch gemacht haben dürfte, aber auch mindestens doppelt so viele Tiefpunkte. Diese Tiefpunkte rechne ich sogar auf die ganzen bisherigen Staffeln, denn schlimmer als jetzt kann es eigentlich nicht mehr werden.

Mir kommt es langsam so vor, als ob Showrunner Shonda Rhimes ihr Pulver inzwischen komplett verschossen hat und sich nur noch mit Gewalt irgendwas aus den Fingern saugt, um die Serienkuh noch eine Runde weiter melken zu können, bevor sie endgültig tot umfällt. Die Storylines sind nämlich seit spätestens Mitte der 3. Staffel an Inspirationslosigkeit kaum noch zu unterbieten. Größtes Ärgernis ist dabei für mich diese komplett überflüssige und obendrein unglaubwürdige Izzie/George-Lovestory. Die beiden sind schon einzeln kaum zu ertragen und sprengen im Doppelpack jede Nervgrenze. Es mag ja sein, daß das unmotivierte Techtelmechtel der beiden nur als Mittel zum Zweck gedient hat, um sich irgendwie aus dem blöden Einfall mit der überstürzten Ehe von George und Callie zu winden, aber da hätte es sicher auch eine glaubwürdigere Möglichkeit gegeben. Und davon mal abgesehen: Wer soll es denn bitte überhaupt kaufen, daß sich ein Rasseweib wie Callie in eine Lusche wie George verknallt und den vom Fleck weg heiratet? Come on, Shonda. Gönn der Frau endlich ein bisschen Ruhe und drück ihr McSteamy aufs Auge. Das Elend kann man ja schon nicht mehr mit ansehen.

Ebenfalls mehr als ärgerlich ist der Versuch Christina zu verbiegen. Was soll der Quatsch? Niemand, der mehr als 2 Folgen Grey’s kennt, würde es jemals glauben, daß sich der kleine Skalpell-Terminator plötzlich zum kuscheligen Sensibelchen umerziehen läßt. Das lose Mundwerk der grandiosen Erica Hahn (ein absolutes Glücksgriffcasting) in allen Ehren, aber seit wann läßt sich Yang von sowas beeinflussen? Auch nervig, aber zum Glück erstmal (?) beendet: Karevs Affäre mit dieser langweiligen Trude Ava aka Rebecca. Die beiden waren zum vor Wut in die Fernbedienung beißen.

Wut? Beißen? Damit wären wir bei der neverending Katastrophe Meredith/Derek. Ahrg. Wie oft haben die beiden sich jetzt schon getrennt? Keine Ahnung, aber ich würde schätzen, es waren gefühlte 6935 Mal. Wer kann sich das noch angucken, ohne die Krise zu kriegen? Zum Finale stand wieder eine Trennung ins Haus und ich hoffe ehrlich, daß es jetzt dabei bleibt, zumal endlich ne andere Frau mit am Start ist. Ich bin zwar realistisch und mir ist durchaus klar, daß die Dame bald wieder Geschichte ist und Derek dann wieder schwanzwedelnd hinter der bescheuerten Meredith her rennt, aber wenigstens wünschen kann ich mir doch, daß die jetzt endlich getrennt bleiben!!? Und wenn ich schon beim Wünschen bin: Schmeißt die Transuse Lexie raus. Bitte. Diese Valiumtablette auf zwei Beinen hält doch der stärkste Ackergaul nicht aus!

Was ergibt das unterm Strich? Bitte mehr von Callie, Erica, McSteamy, der alten Christina, Karev ohne Ava und Bailey in Höchstform und viiiel weniger Izzie, George, Meredith, Derek und Lexie. Das muss doch zu schaffen sein!?

Ich hab Grey’s früher wirklich gern gesehen, aber inzwischen schalte ich nur noch ein, weil ich den Blick vom nackten Grauen nicht lösen kann. Das ist irgendwie dieser Schlimmer-Unfall-und-jeder-glotzt-hin-Effekt. Bis zum Rest der Staffel läßt uns Pro7 bekannterweise bis nächstes Jahr schmoren und diese Pause dürfte für einen anständigen Entzug reichen. Ich werde mir dann gut überlegen, ob ich noch mal einschalte.

★★★★★☆☆☆☆☆ 5/10

Offizielles Anatomysoapkrankenhaus

Damages - Da bleibt einem glatt die Spucke weg

um 13:57 da reingeschubst: Fernsehen, TV-Serien || Fremdplörre: Comment (1)

Meine Fresse! Was für ein mieses Drecksstück!

Zugegeben, ich war im Vorfeld durchaus skeptisch, ob die neue Anwaltsserie Damages - Im Netz der Macht in der selben Liga wie Boston Legal und Shark spielt. Dass sie es tut, daran zweifle ich nach den ersten beiden Folgen, die gestern Abend auf Kabel 1 liefen, keine Sekunde mehr. Was die Autoren hier an düsteren Abgründen rund um ihren bestens aufgelegten Star Glenn Close gestrickt haben, war in dieser Form noch nicht auf dem Bildschirm zu sehen. Zumindest nicht mit einer Frau im Zentrum, was den Grossteil der Faszination ausmachen dürfte.

Die von Glenn gespielte Patty Hewes hat das, was sonst nur männliche Hauptfiguren haben dürfen: Eier aus Granit und absolut kein Gewissen. Bis kurz vor Schluss der ersten Episode dachte ich noch, dass die Frau verdammt kuhl ist und mit fast allen legalen und illegalen Mitteln gegen ihre Widersacher vorgeht. Aber das ist nur die Wahrheit, die sie alle Aussenstehenden glauben machen will, denn im Grunde ist Patty genau das miese Drecksstück, das ich oben schon erwähnt habe. Die ‘Dame’ (hust) interessiert sich nur für sich selbst und geht dafür buchstäblich über Leichen (wuff). Diese Erkenntnis kam während eines brillanten Plottwists, der einem in nur 5 Minuten all das unter den Füssen wegriss, was man in den 45 Minuten vorher schon zu wissen glaubte. Ganz grosses Tennis!

Jetzt bin ich natürlich gespannt, ob dieses hohe Niveau während den verbleibenden 11 Folgen der ersten Damages-Staffel gehalten wird. Zwei kleine Wünsche hätte ich noch: Ein bisschen weniger Overacting bei Ted Danson und ein bisschen mehr ‘normales’ Acting bei der arg blassen Rose Byrne, die mich als Pattys Fussabtreter im nervigen Bambimodus nicht überzeugen konnte.

Peh Ess: Da sich dieser Vergleich vielen aufgedrängt haben dürfte, muss ich glatt mal Folgendes festhalten: Gegen Damages ist Der Teufel trägt Prada der reinste Kindergeburtstag.

Offizielle HewesKanzlei

Outsourced - Auf Umwegen zum Glück

um 19:33 da reingeschubst: Film || Fremdplörre: Comments (0)

Originaltitel: Outsourced
Genre: Komödie, Drama
Land: USA, Indien
Jahr: 2006
Regie: John Jeffcoat
Darsteller: Josh Hamilton, Matt Smith, Ayesha Dharker, Larry Pine, Asif Basra, Sudha Shivpuri, Shriti Tyagi, uvm
Läuft seit: 10.04.2008
Offiz. Webseite: www.outsourced-der-film.de

Inhalt: Üppige Farben, verführerische Düfte, geheimnisvolle Traditionen – willkommen in Indien!?? Für die Schönheit des Landes hat Todd Anderson aus Seattle keinen Blick, denn der Call-Center-Manager wurde knallhart ausgelagert - oder auch Neudeutsch “outgesourced”: Der verstörte Todd wird nach Indien geschickt, wo er so freundliche wie chaotische Einheimische an amerikanisches Call-Center-Niveau anpassen soll, um die Umsätze des Unternehmens zu steigern. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, soll er dort auch noch seinen eigenen Nachfolger einarbeiten! Die Hitze, die neuen Gepflogenheiten, Missverständnisse im Team und im Alltag – Todd stößt überall an seine Grenzen und sehnt sich nur noch nach Hause. Doch er begreift nach und nach, dass er dazulernen muss: Über Indien und Amerika, über die Liebe und sogar über sich selbst. Langsam merkt er, dass es Vorteile haben kann outgesourced zu sein, denn er ist im Begriff sein Herz an das fremde, furchteinflössende Land, die Menschen und an eine ganz besondere Frau zu verlieren.

Lola meint: Kinder – ich bin hin und weg! Mehr braucht ihr nicht wissen und jetzt geht gefälligst los und guckt euch “Outsourced - Auf Umwegen zum Glück” an! Wie jetzt? Was heisst hier ihr wollt mehr Infos?? Verwöhntes Gezeuch! ;o) Na dann will ich mal keine Spassbremse sein und eine (hiermit angekündigte) Lobhudelei verfassen.

Outsourced nimmt sich das brandaktuelle Thema der immer schneller fortschreitenden Globalisierung zur Brust, schafft dabei aber das schwierige Kunststück den Aufreger vieler Arbeitnehmer als locker-flockig-leichte Komödie zu verpacken, ohne dabei den Respekt für das Thema und die Betroffenen zu verlieren. Im Grunde müsste sich jeder angesprochen fühlen, denn in Zeiten, wo auch in Deutschland die grossen Konzerne dicht machen, um den Standort wegen den Billiglöhnen gen Osten zu verlagern, treibt sich das bedrohliche Outsourcing-Gespenst direkt in unseren Vorgärten herum.

Wenn wir alle jetzt mal unsere Augen und Ohren Richtung Weltgeschehen aufsperren, dann wird sehr schnell klar, dass der momentan bei unseren Wirtschaftsbossen populäre Ostblock im Grunde die Streichelzoovariante ist. Indien hat mit einem irrwitzigen Wirtschaftswachstum im zweistelligen Bereich - wobei an erster Stelle keine 1 steht - längst zum Überholmanöver angesetzt und soll schon in rund 10 Jahren alle derzeitigen Weltwirtschaftsmächte schlicht überrollt haben. Diesen Schub verdankt das gewaltige Land seinen hervorragend ausgebildeten Akademikern und der schier unerschöpflichen Zahl an Arbeitern, die sich für einen lächerlichen Euro am Tag den Arsch abackern. Den Nachweislink bleibe ich an dieser Stelle schuldig, weil ich diese nachdenklich stimmenden Infos aus einer ARD-Reportage habe, die vor ein paar Wochen lief und die an all diejenigen gehörige Arschtritte verteilt hat, die Indien mit einem mitleidigen Lächeln abtun wollen.

Genug Politikgedöhns und ab zu Outsourced. Regisseur John Jeffcoat beweist unglaubliches Gespür für das zwar nicht neue, aber mit viel Herzblut variierte Fish-out-of-Water-Thema seines auf Indie-Festivals mit Preisen überschütteten Debüt-Films. Das liegt sicher am unbestreitbaren Talent des Mannes und an der Tatsache, dass er selbst als Student für ein Semester im Rahmen eines Kulturaustauschprogramms in Nepal strandete und sich dort von allem amerikanischen verabschieden musste, was ihn, wie er glaubte, bis dahin ausgemacht hatte. Im Grunde lässt Jeffcoat seine Hauptfigur Todd exakt dasselbe durchleiden, denn für den stellt sich Indien genau so lange als totaler Albtraum aus der Hölle dar, wie er mit Wutknoten im Bauch durch die Gegend stapft und alles und jeden ablehnt. Dabei kann man Todd seine Anfangshaltung gar nicht verübeln, denn es gibt wohl kaum jemanden, der sich in so einer Lage anders verhalten oder anders fühlen würde: Todd hatte eben noch einen lockeren, sicheren und gut bezahlten Job als Manager des Call Centers eines Kitschartikel-Versandhauses, als ihn im nächsten Moment sein Chef ins Büro zitiert, um ihm mitzuteilen, dass alle entlassen werden, weil das Call Center aus Profitgründen nach Indien ausgelagert wird. Todd darf vorerst seinen Job behalten und das nur, um die Inder in kürzester Zeit für die amerikanischen Kunden fit zu machen und seinen Nachfolger auszubilden. Rrrrumms. Sowas sitzt. Todd kommt vor lauter Schock gar nicht auf die Idee zu kündigen, sondern klammert sich an den Jobstrohhalm und steigt angefressen in den Flieger.

Natürlich brechen mit der Ankunft in Indien sämtliche Klischees über unser Opfer herein, die man sich nur vorstellen kann. Das Land ist brütend heiss, laut, chaotisch, schmutzig, voller wild gestikulierender Menschen und überfüllter Züge. Taschendiebe lauern hinter jeder Ecke, das Essen ist gewöhnungsbedürftig und führt natürlich zum schlimmsten Durchfall aller Zeiten und damit zur Erkenntnis, dass sich ein indisches Durchschnittsklo doch arg vom westlichen Standard unterscheidet. Als Sahnehäubchen treibt sich noch die obligatorische heilige Kuh im Büro herum und ständig lauern fiese Fettnäpfchen in Bezug auf die Sitten und Gebräuche der Einheimischen. Kennt man alles, werden sich jetzt viele denken und das stimmt soweit auch, nur schafft es der Regisseur den bösen Kulturschock mit Charme und einem schelmischen Zwinkern zu servieren, dabei aber nie albern zu werden und alles durchaus realistisch und mit immensem Respekt für Land und Leute rüberzubringen. Der Zuschauer leidet und lacht mit Todd, aber nie über ihn und das ist der feine Unterschied, der Outsourced nicht nur den Weg ins Hirn, sondern auch in die Herzen des Publikums ebnet.

Überhaupt funktioniert Outsourced gerade auf der emotionalen Ebene und hat ein unglaubliches Timing. Immer, wenn man sich für den mies gelaunten Todd und sein entsprechend schlechtes Benehmen gerade so richtig fremdschämt, löst der Film schon in der nächsten Szene das unangenehme Gefühl durch einen versöhnlichen Gag in Wohlgefallen auf. Besonders schön sind die Szenen, in denen Todd von den Indern, die er Anfangs natürlich alle als blöd einstuft, vorgeführt wird. Da wird man Zeuge von zwar schlichten, aber dafür umso brillanteren Dialogen, die einem mehr als einmal wegen ihrer Doppelbödigkeit die Kinnlade runterklappen lassen. Sogar die in der Inhaltsangabe angedrohte Liebesgeschichte kommt fast beiläufig, angenehm unkitschig und deswegen umso berührender daher. Man kann aus ihr sogar noch vieles über das streng geheime voreheliche Liebesleben der jungen Leute lernen, die es in einem Land, in dem sogar schlichtes Berühren in der Öffentlichkeit streng verboten ist, alles andere als leicht haben.

Rieche ich da etwa noch einen Zweifel, der alleine im Raum rumsteht und ungefähr so aussieht: ‘Bäh. Ich hasse Bollywoodfilme mit dem ewigen Gesinge, Getanze und Geheule!’? Ganz falsch: Outsourced hat nichts, null und nada mit den üblichen Bollywoodkitschoverkills zu tun. Hier gibts nur völlig normale Menschen in normalen Situationen, kein Overacting und keine Gesangseinlagen. Lediglich Kennern des typischen Bollywood-Massenkinos dürfte eine kleine Verbeugung in diese Richtung auffallen: Die indischen Angestellten des Call Centers ‘zwingen’ Todd zu dem auch bei uns bekannten Hit “Saajanji Ghar Aaye” aus dem Blockbuster Kuch Kuch Hota Hai - Und ganz plötzlich ist es Liebe abzutanzen und ganz nebenbei ist in dieser Szene auch noch einer der grössten männlichen Bollywoodstars im Bild. Nein. Denkste. Nicht Shahrukh Khan ist gemeint, sondern Salman Khan, der in seiner Heimat immer noch einen Zacken berühmter als Shahrukh ist. Aber wie gesagt – diese Hommage erschliesst sich nur Kennern und fällt dem Bollyverachter nicht mal auf. Sind jetzt alle Zweifel beseitigt? Dann husch ab ins Kino, denn Outsourced ist skandalöserweise mit nur wenigen Kopien am Start und dürfte bald von den Spielplänen verschwunden sein. Und ich hätt jetzt gerne ein Chicken Marsala und einen Mangosaft.

★★★★★★★★★☆ 9/10

Endlich wieder ER

um 12:51 da reingeschubst: Fernsehen, TV-Serien || Fremdplörre: Comments (0)

Gestern abend ging auf Pro7 nach skandalösen 8 Monaten Pause (darüber müssen wir auch nochmal reden *böseguck*) endlich die vorletzte Emergency Room Staffel los. Es ist ja nicht so, dass die Serie seit dem Abgang von Noah Wyle aka Dr. Carter Ende Staffel 11 auch nur noch ansatzweise so gut wäre wie früher, aber nach 14 Jahren kann ich den riesigen Nostalgiefaktor nicht verleugnen und deswegen wird weitergeguckt. Und zwar bis zum bitteren Ende, das leider in Sicht ist.

Ich bin wirklich gespannt, ob Crichton und Zabel in Staffel 14 die Kurve kriegen oder wieder in alte schlechte Gewohnheiten verfallen. Damit meine ich die Unsitte interessante Charaktere einzuführen, sie dann im Skript total zu vernachlässigen und irgendwann sang- und klanglos verschwinden oder nur noch sporadisch durchs Set hopsen zu lassen. Bei den ganzen Flachzangen, die sich Hauptcast schimpfen dürfen, klammere ich mich jedesmal verzweifelt an die neuen Gesichter, hoffe, dass was Grösseres draus wird und werde prompt jedesmal enttäuscht. Bestes Beispiel: Leland Orser als Chirurg Dr. Dubenko. Da wird so ein genialer Darsteller seit 3 Staffeln als Stichwortgeber verheizt und muss sich mit einer nicht erwähnenswerten Storyline herumschlagen. Dabei hätte sein Charakter so viel Potential und vor allem auch Witz gehabt, wie man am Anfang seines Engagements noch erahnen konnte. Aber sowas wird verschenkt, nur um den Zuschauer mit höchstens durchschnittlichen Schauspielern in nervigen Kotzbrockenrollen wie Scott Grimes aka Archie Morris, Linda Cardellini aka Schlaftabletten-Schwester Sam, Goran Visnjic aka Luka ‘Vollidiot’ Kovac oder dem grössten ER-Hassobjekt aller Zeiten, John Stamos aka Tony ‘Riesenarschloch’ Gates, zu quälen. Das Bedürfnis jemandem die Fresse zu polieren ist irgendwie nicht abendfüllend.

Einen kleinen Lichtblick hat die neue Staffel immerhin: Stanley Tucci. Der ist als neuer Oberarzt Moretti zwar insgesamt auch nur lächerliche 9 Folgen lang dabei, wobei 2 davon schon in der letzten Staffel verbraten wurden, hatte aber gestern immerhin den besten Auftritt seit langem, weil er in dem unorganisierten Sauhaufen endlich mal aufgeräumt und vor allem das Riesenarschloch endlich aus der Station geworfen hat. Moretti - dich hab ich dolle lieb, auch wenn ich mich bald wieder von dir verabschieden muss.

Offizielle Notaufnahme

 
 

Janz früher mal...

 

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