Der Fluch der Betsy Bell

um 18:37 da reingeschubst: Film || Fremdplörre: Comment (1)

© SplendidInfo: Dies ist ein Review, das ich in altmodischer Handarbeit aus meinem alten Blog übernommen habe, weil der Import nicht uns Verrecken funzen wollte. Das oben genannte Datum entspricht dem ursprünglichen Postingdatum. “Himbeerlola.de” existiert erst seit dem 01.03.2008.

Inhalt: Von 1818 bis 1820 wird die Familie Bell aus Red River von einer unerklärlichen Präsenz heimgesucht. Was mit Geräuschen beginnt, wächst sich zunehmend zum nackten Terror aus - vor allem für die jüngste Tochter der Familie, die von dem Poltergeist attackiert wird. Weil die Bells vermuten, dass der Ärger auf einem Streit mit einer Frau, die als Hexe gilt, beruht, versuchen sie den Fluch zu besiegen.

Lola meint: Was habe ich mich auf die gute Betsy und ihren Hausgeist gefreut, sahen doch die Promo und der Trailer recht verlockend aus. Gute Spukgeschichten sind was Feines und zu meinem Glück – oder in dem Fall hier leider Unglück – erlebt dieses Genre mit seinen diversen Unterabteilungen ja seit geraumer Zeit eine kleine Renaissance. Bei Frau Bell hätte mich die im Geistergeschäft zu 99,5% sichere Reinfallprophezeihung ‘beruht auf einer wahren Begebenheit’ eigentlich stutzig machen müssen. Da habe ich mich wohl von den vollmundigen Versprechungen blenden lassen, daß dem Drehbuch der einzige historisch verbürgte Todesfall durch paranormale Aktivitäten zu Grunde liegt.

Blöd, daß Betsy Bell als Horror- bzw. Gruselfilm firmiert, denn ’stinklangweilige Komödie’ hätte es irgendwie besser getroffen - dagegen waren die Lach- & Sachgeschichten von Emily Rose der reinste Nervenzerfetzer. Der Streifen ist vor allem zäh wie ein altes Fensterleder, siecht an einer völlig überflüssigen Jetztzeit-Rahmenhandlung nebst unfreiwilliger Komik in den unpassendsten Momenten und erledigt gleich selbst mit einer absolut hirnrissigen Pseudo-Auflösung den Anruf beim Abdecker. Oder nennen wir es lieber einen komplett in die Hose gegangenen Plottwist. Ich habe die Buchvorlage nicht gelesen, hege aber den dringenden Verdacht, daß dort längst nicht alles so übel sein kann, sonst wäre dem Schmöker sicher nicht der Riesenerfolg beschieden gewesen, den er angeblich hatte.

Auch von der Darstellerbank gibt es keine Ehrenrettung für den Geistermurks zu vermelden: Silberfuchs Donald Sutherland (Papi Bell) ist mit seiner langen Matte und dem weißen Vollbart zwar wieder extraknuffig anzuschauen, macht aber keinen Handschlag mehr als Dienst nach Vorschrift. Arbeiter-und-Bauernfilm-Heroine Sissy Spacek (Mutti Bell) leidet als einzige wirklich unter einem Fluch – dem Fluch, daß für sie in Hollywood offenbar keine anständigen Rollen mehr drin sind. Sie darf hier immerhin die Stirn betroffen in Falten legen und sich sichtlich gelangweilt das Ende der Dreharbeiten herbeisehnen. Ach ja, fehlt noch Geisteropfer Rachel Hurd-Wood (Betsy): Die ist vollauf damit beschäftigt sich unter der Bettdecke zu verstecken oder mit den Beinchen zu strampeln. Hmmm…an die Decke kann ich mich noch erinnern, an Rachel dafür überhaupt nicht.

Die beste Performance in diesem Trauerspiel liefert (einen Tusch bitte) der Geist ab, denn der hatte offenbar Humor. Es war zwar garantiert nicht so geplant, aber bei der Ohrfeigen- und vor allem der Treppen-Nummer habe ich brüllend flachgelegen. Von weiteren unfreiwillig lustigen Aktivitäten der Hui-Buh-Imitation fange ich gar nicht erst an, sonst sitze ich morgen noch hier.

Der einzige Pluspunkt geht an die Optik: Die düsteren Bilder und die morschen Sets sorgen für eine wunderbar morbide Atmo. Mehr Positives lässt sich leider über diese Gurke von einem Film nicht sagen. Doch – eins noch: Das Plakat gefällt mir! Oder fällt das auch unter Optik?

Offizielle Webseite zum Film

 

Kaltes Land

um 22:51 da reingeschubst: Film || Fremdplörre: Comments (0)

© Warner Bros.Info: Dies ist ein Review, das ich in altmodischer Handarbeit aus meinem alten Blog übernommen habe, weil der Import nicht uns Verrecken funzen wollte. Das oben genannte Datum entspricht dem ursprünglichen Postingdatum. “Himbeerlola.de” existiert erst seit dem 01.03.2008.

Inhalt: Josey Aimes (Charlize Theron) flieht Ende der 80er Jahre mit ihren zwei Kindern vor ihrem gewalttätigen Ehemann in ihre Heimat Nord-Minnesota und zu ihren Eltern zurück. Ihre Freundin Glory (Frances McDormand) arbeitet als eine von wenigen Frauen im gut bezahlten Bergbau und verhilft Josey zu einer Stelle in der Grube, die sich seit Generationen fest in Männerhand befindet. Josey stellt sich auf die oft gefährliche Knochenarbeit ein, aber wirklich unerträglich sind nur die Belästigungen, denen die Frauen durch ihre männlichen Kollegen ausgesetzt sind. Neben offenen Anfeindungen müssen die weiblichen Grubenarbeiter zahlreiche “Späße” unterhalb der Gürtellinie ertragen und stehen Grabschern hilflos gegenüber. Doch Josey will kein Opfer sein. Sie nimmt den Kampf auf und schreibt damit Geschichte.

Lola meint: Regisseurin Niki Caro, der sich durch „Whale Rider“ die Türen der US-Filmindustrie öffneten, zerrt mit “Kaltes Land” ein widerborstiges Stück Film auf die Leinwand, das sich mit dem Thema der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz beschäftigt. Und wieder mal wird für eine unbequeme Story das leidige ‘beruht auf einer wahren Geschichte’ bemüht. Anders scheint es in Hollywald jenseits des Hirn-aus-und-durch-Popcornkinos wohl nicht zu gehen.

Passend zum Titel und Grundtenor des Films wird hier in unterkühlten Bildern das Schicksal von Josey Aimes erzählt, die sich erst am Arbeitsplatz von den männlichen Kollegen terrorisieren lassen muss und dann auch noch jahrelang vor Gericht in einem absolut lächerlichen Prozess (noch lächerlicher: der Prozess gilt bis heute als aufsehenerregender Präzidenzfall) fertig gemacht wird. Es verwundert doch sehr, dass das reale Verfahren erst Ende der 90er Jahre zum Abschluss kam, denn während des Films wähnt man sich durch die Geschehnisse irgendwann Anno 1704undeinpaarzerbombte und bestimmt nicht Mitten in den doch schon recht aufgeklärten 80ern. Die Regeln unserer modernen Gesellschaft scheinen noch nicht bis in jeden Winkel der USA vorgedrungen zu sein – jedenfalls nicht bis in diesen Landstrich in Minnesota. Da kriegt man ja wieder mal richtig Bock ins gelobte Land zu reisen und sich von dem Elend dort mit eigenen Augen zu überzeugen.

In der Rolle der geplagten Josey ist eine trotzig-stoische Charlize Theron zu sehen, die sich seit “Monster” in White Trash Gefilden so richtig zu Hause zu fühlen scheint, was natürlich in krassem Widerspruch zu ihrer modelmäßigen Erscheinung steht. Einmal mehr verweigert sie der Kamera und dem Zuschauer ihr beachtliches Äußeres und schleicht ungeschminkt in vollendetem C&A-Chic und mit grottigem Haarschnitt durch die Story. Unsere Unterschichten-Barbie muss sich im Verlauf des Dramoletts ein bisschen zuviel vom Schicksal verscheissern lassen: Als Teenie vom schmierigen Lehrer vergewaltigt inklusive einer daraus resultierenden Schwangerschaft, vom verbohrten Vater wegen der ‘Schande’ des unehelichen Kindes abgelehnt, von der resignierten Mutter größtenteils im Stich gelassen, eine miese Ehe mit einem Schläger bis hin zu den unwürdigen Zuständen am Arbeitsplatz. Alles zusammen wirkt reichlich dick aufgetragen und ich möchte einfach mal bezweifeln, dass das alles auch auf dem Konto des realen Vorbilds zu finden ist.

Während die Drehbuchschreiber über dem harten Schicksal von Josey brüteten, haben sie offensichtlich vergessen die beteiligten Figuren und die restliche Handlung mit genügend Sorgfalt zu bedenken. Frau Theron strampelt sich als verschüchtertes Opfer ab, dem man die Anflüge von Emanzipation und Selbstbestimmung nicht so recht abnehmen mag, weil sie sich in regelmäßigen Abständen mit dem Arsch das wieder einreißt, was sie vorne mühevoll aufgebaut hat. Die restlichen Figuren wirken wie aus dem 08/15-Filmbaukasten und verwirren den Zuschauer mit unglaubwürdigen Motivationen oder unnachvollziehbar plötzlichen Charakterwandlungen. Vor allem die Männer kommen denkbar schlecht weg: Entweder haben wir es mit skrupellosen Neandertalern oder mit Lenorgespülten Frauenverstehern zu schaffen. Auhauaha.

Ein wahrer Lichtblick in diesem schwarz-weißen Sumpf sind da die herben Auftritte von Frances McDormand und der Urmutter Beimer aller Arbeiter- und Frauenfilme Sissy Spacek. Beide schaffen es aus ihren recht begrenzten Rollen das Maximum heraus zu holen und einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ich würde sogar mal frech behaupten, dass die beiden Ladies “Kaltes Land” den Arsch vor der totalen Mittelmäßigkeit gerettet haben.

Als Zuschauer bleibt man mit einem zwiespältigen und unbefriedigten Gefühl zurück. Das Thema ist wichtig, die Vorkommnisse sind empörend und man möchte sich emotional engagieren, aber man kann es kaum. Vielmehr ist man staunender und seltsam unbeteiligter Beobachter von blutleeren Charakteren und ihrem meist haarsträubenden Verhalten. “Kaltes Land” kann man mit ruhigem Gewissen unter ’sowas von verschenke Gelegenheit’ abheften. Schade drum.

Offizielle Webseite zum Film

 

 
 

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