Im Tal von Elah

um 17:35 da reingeschubst: Film || Fremdplörre: Comments (4)

© Concorde FilmOriginaltitel: In the Valley of Elah
Genre: Drama
Land: USA
Jahr: 2007
Regie: Paul Haggis
Darsteller: Tommy Lee Jones, Charlize Theron, Susan Sarandon, Jason Patric, uvm
Läuft ab: 06.03.2008
Offiz. Webseite:
www.inthevalleyofelah.com

Inhalt: Mike Deerfield war 1 1/2 Jahre im Irak im Einsatz, überlebte und verschwindet kurz nach seiner Rückkehr in die USA plötzlich. Sein Vater Hank macht sich zu Mikes Stützpunkt in New Mexico auf, um der Sache nachzugehen und ihn wiederzufinden. Mikes Vorgesetzte behindern die Ermittlungen und seine Kameraden hüten ein Geheimnis, das Hank Deerfields bisher geordnete Welt völlig auf den Kopf stellt. Ein Geheimnis, das nicht nur die Veränderungen an seinem Sohn, sondern auch die unverheilten Wunden des Krieges im ganzen Land verbirgt. Was der Vietnamveteran schließlich mit der Unterstützung von Detective Emily Sanders entdeckt, ist eine grausame Wahrheit, die die Hoffnung begräbt, dass man Gewalt und Tod fern der Heimat an der Front zurücklassen kann.

Lola meint: Es ist mir selten so schwer gefallen den Einstieg in ein Review zu finden, denn Im Tal von Elah ist die Art von Film, die einen nach dem Abspann mit einem tonnenschweren Druck auf der Seele zurück lässt. Regisseur Paul Haggis, der anscheinend Ambitionen hat die Nachfolge des inzwischen recht handzahmen Oliver Stone anzutreten, lässt ein deprimierendes Drama vom Stapel, auf das man wegen der eher krimimäßig angehauchten Inhaltsangabe nicht wirklich vorbereitet ist.

Haggis zeigt uns in graubraunen Bildern ein Land, das alles von seinem berühmten Stars’n'Stripes-Optimismus und seiner Leichtigkeit eingebüsst hat. So grau und unterkühlt wie die Bilder wirken auch die Charaktere. Tommy Lee Jones war ein absoluter Glücksgriff für die Rolle des ehemaligen Berufssoldaten und Militärpolizisten Hank Deerfield, denn er fügt sich mit seiner extrem reduzierten Performance, die von einer Oscarnominierung geadelt wurde, perfekt ein. Hank lässt keine Emotionen zu, sondern klammert sich lieber an die tägliche Routine und Rituale, die man ihm in den Jahrzehnten bei der Army eingeschliffen hat. Es wirkt, als könne er mit einem normalen Leben ohne das Korps gar nichts anfangen und auch seine Frau kann schon lange nicht mehr zu ihm durchdringen. Er kommt erst in Bewegung, als sein Sohn während eines Ausgangs plötzlich verschwindet, was dessen Kameraden und Vorgesetzte im Stützpunkt aber nicht grossartig zu verwundern scheint, sondern eher als Eskapade abgetan wird.

Als kurz darauf die zerstückelte und verbrannte Leiche seines Sohnes auftaucht, nimmt Hank zusammen mit einer örtlichen Polizistin die Fährte auf, denn auch jetzt hält sich das Engagement der Army in Grenzen, die den Mord als missglückten Drogendeal abheften will. Was dann folgt, ist kein klassischer Thrillerplot, obwohl sich der Protagonist in einem Labyrinth aus Lügen und finsteren Abgründen wiederfindet, sondern vielmehr das Psychogramm eines Mannes, dem nach und nach all das genommen wird, woran er sein Leben lang geglaubt hat. Tommy Lee Jones spielt diese qualvolle Entwicklung ohne grosse Gesten und lässt seinen Hank eher in Zeitlupe zerbröckeln. Als ihm schliesslich nach frustrierender Ermittlungsarbeit die Wahrheit über den Tod seines Sohnes vor die Füsse gespuckt wird, kann er nur noch fassungs- und reglos auf die Trümmer seiner Ideale schauen. Trotzdem gewinnt man den Eindruck, dass ihn der Schmerz endgültig wachgerüttelt hat und dass trotz der Tragödie noch die Chance auf ein kleines Stück wirklichen Lebens jenseits der bloßen Existenz für ihn möglich wird.

Die Botschaft des Films springt einem mitten zwischen die Augen: Menschen werden von einer zynischen Maschinerie verheizt, die nur daran interessiert ist, dass jeder inmitten von nacktem Wahnsinn einwandfrei funktioniert. Wer dabei zerbricht, steht alleine da und kann keine Hilfe erwarten, denn solche Probleme hat es einfach nicht zu geben. Amerika muss derzeit schmerzhaft lernen, dass Totschweigen und Verdrängung nie auf Dauer funktioniert, weil sich die unter der Oberfläche gärenden Tumore irgendwann ans Licht durchfressen. Im Tal von Elah ist mit seiner spröden Art kein einfacher Film, den man so eben mal konsumieren kann, bietet aber einen tiefen Einblick in die zerrissene Seele einer ehemals so unkaputtbaren Nation.

★★★★★★★★★☆ 9/10

 
 

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