No Country for old Men

um 4:40 da reingeschubst: Film || Fremdplörre: Comments (3)

© UniversalOriginaltitel: No Country for old Men
Genre: Thriller, Neo-Western
Land: USA
Jahr: 2007
Regie: Joel & Ethan Coen
Darsteller: Josh Brolin, Javier Bardem, Tommy Lee Jones, Woody Harrelson, Kelly MacDonald, uvm
Läuft ab: 28.02.2008
Offiz. Webseite:
www.nocountryforoldmen.de

Inhalt: Llewelyn Moss stösst beim Wildern in der Wüste auf die Überreste eines geplatzten Drogendeals und einen Koffer voller Geld. Als Llewelyn das Geld behält, steht er am Anfang von Ereignissen, die sich nicht mehr aufhalten, geschweige denn rückgängig machen lassen. Ein gestörter Killer, der mit einem Bolzenschussgerät tötet, heftet sich ihm an die Fersen und hetzt ihn bis nach Mexiko. Doch auch der Killer wird verfolgt: Ein alternder Sheriff und ein Auftragsmörder haben die Fährte aufgenommen.

Lola meint: Ich bin wieder in die Coen-Falle getappt. Zum x-ten Mal. Viel zu oft habe ich mich schon durch schmackhafte Trailer und allgegenwärtige Lobpreisungen zu einem Coen-Film verleiten lassen, um dann hinterher ernüchtert festzustellen, dass ich mit dem recht eigenen Stil der Brüder einfach nicht warm werde. Das ist fast so, als ob frau ständig auf den falschen Typ Mann reinfällt und es trotzdem nicht schafft das Beuteschema zu ändern.

Auch bei No Country for old Men konnte ich nicht aus meiner Haut und habe mich wider besseren Wissens von Trailern, Teasern und Oscarregen zu Vorfreude und hohen Erwartungen verleiten lassen. Diese wurden zwar nicht auf ganzer Linie enttäuscht, aber begeistert bin ich lange nicht. Dabei hat mich die Atmosphäre des Films durchaus gefangen nehmen können: Eine Landschaft, die so karg und von der Sonne verbrannt ist, dass selbst die Leinwand staubt. Schlichte, vom Leben gezeichnete Menschen, die mit dieser feindlichen Umgebung verwachsen sind, kein Wort, keine Geste zuviel. Und mittendrin in dieser Trostlosigkeit eine alles beherrschende Figur mit übermenschlicher Präsenz, die schon rein Äusserlich wie ein Anachronismus, ein Fremdkörper wirkt und sich so gar nicht in die ausgeblichenen Bilder einfügen will.

Die Rede ist natürlich von Javier Bardem, der den Begriff des soziopathischen Killers neu definiert. Obwohl nur als Nebenrolle geführt, dominiert er als Anton Chigurh selbst die Szenen, in denen er gar nicht zu sehen ist. Alle anderen Figuren verkommen auf seiner Tour de Force der schmutzigen, sinnlosen Gewalt zu seinen Requisiten, unweigerlichen Opfern. Chigurh wirkt in keiner Szene auch nur ansatzweise menschlich. Wenn er nicht bluten könnte, würde man ihn am ehesten für einen T-800 mit Mireille-Mathieu-Referenztonsur halten. Er zeigt keine Regung beim Töten, hat einen Gang, der keine Hindernisse duldet, führt surreale Gespräche, benutzt eine aussergewöhnliche Waffe, lehnt jegliche Verantwortung für sein Handeln ab. Mit diesen Tricks haben die Coens zusammen mit Bardem eine Figur geschaffen, die mit Sicherheit in Zukunft noch etliche Male zitiert werden wird. Ob seiner Präsenz durchaus zu Recht, nur mich hat dieser Anton Chigurh leider völlig kalt gelassen. Für mich war er zu gewollt auf Kult gebürstet, als dass ich ihn wirklich als bedrohlich empfunden hätte und das ist der Knackpunkt, denn ohne dieses Gefühl funktioniert der ganze Film nicht.

Daran kann auch Josh Brolin nichts mehr ändern, der sich als Chigurh’s Zielobjekt wacker durch die Gegend flüchtet und ihm mit verschmitzter Bauernschläue auch lange die Stirn bieten kann. Brolin gibt den verzweifelten White Trash Vertreter mit Herzblut, bleibt aber trotzdem die ganze Zeit über zu blass und wirkt sogar zu unsympathisch, als dass ich mich ernsthaft mit ihm hätte identifizieren bzw mit ihm hätte mitfiebern können. Lediglich Tommy Lee Jones, der als lahmarschiger Sheriff mit grandiosen One Linern eine Galavorstellung liefert, konnte mich überzeugen, nur leider hat er viel zu wenig Screentime und sein Handlungsstrang eigentlich nichts weiter mit dem Rest zu schaffen.

Womit ich auch schon beim grössten Kritikpunkt wäre: Die Coens weigern sich wiedermal standhaft die Geschichte so zu erzählen, dass sich bei mir als Zuschauerin, die sich mit widerspenstigen Charakteren durch einen widerspenstigen Film geplagt hat, am Ende so was wie Befriedigung einstellen will. Das ist wie beim Sex die Gärtnernummer: Hacken und liegen lassen. Die Herren Coen haben vielmehr Spass daran gegen Ende einen Stilbruch an den anderen zu hängen, fügen kaum etwas zusammen, lassen plötzlich unmotiviert eine Hauptfigur sterben und zeigen es nicht einmal, verweigern die Antwort auf eine brennende Frage und kloppen mit der Brechstange eine zwar schockierende, wenn auch völlig überflüssige und dadurch ärgerliche Szene rein, die wirkt, als sei sie wegen eines verspäteten Einfalls noch nachträglich eingefügt worden. Warum tun sie das? Weil sie es können? Weil sie meinen, dass das cool ist? Ist es nicht und wird es nie. Ich schliesse das hier mit dem letzten Satz des Films ab, den Tommy Lee Jones’ Sheriff sagen durfte, denn er passt wie selten einer: “Und dann bin ich aufgewacht.”

★★★★★★☆☆☆☆ 6/10

Nachklapp: Ich bin mit meiner Unzufriedenheit wenigstens nicht alleine ;o)

 
 

Janz früher mal...

 

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